Fragwürdige Erziehungsmethode: Auch eine Ohrfeige ist strafbar

Dienstag, 28.11.2017

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. So heißt es im Wortlaut im BGB: „Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Mit Ohrfeigen machen sich Eltern strafbar. 

Gerade ältere Menschen könnte dies erstaunen, denn ihre Kindheitserfahrungen sehen oft anders aus. Schläge zur Züchtigung waren jahrhundertelang bis in die 1980er in vielen Familien Jahren gelebte Realität, die Ohrfeige ihre mildeste Form. Einer Forsa-Umfrage zufolge verteilen noch heute (Erhebung 2012!) vier von zehn Vätern und Müttern Ohrfeigen an ihre Kinder. Allerdings, so das Meinungsforschungsinstitut, geschehe das inzwischen eher aus einer Form der Hilflosigkeit heraus als aus Überzeugung.

Das zitierte Gesetz, das die „gewaltfreie Erziehung“ festschreibt, wurde übrigens erst im Jahr 2000 rechtskräftig.

Welche Strafen drohen bei einer Ohrfeige?

Nach den Buchstaben des Gesetzes handelt es sich bei der Ohrfeige um eine Form der Körperverletzung. Diese kann mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden.

Geohrfeigte Söhne und Töchter können ihr Recht auf Gewaltfreiheit in der Erziehung gegenüber den Eltern allerdings nicht einklagen. Intention des Gesetzes ist es vielmehr, das Fehlverhalten als solches deutlich zu machen und Hilfe anzubieten – und zwar Kindern und Eltern. Erziehungsberatungsstellen, Jugendämter und der Kinderschutzbund sind hierbei geeignete Partner. Ziel ist es, dass die Hilflosigkeit überforderter Eltern eben nicht in Gewalt mündet, auch nicht in einem Klaps oder einer Ohrfeige.

Wichtig beim Verzicht auf körperliche Gewalt ist auch, dass diese nicht durch seelische Strafen ersetzt werden. Wer sein Kind tagelang mit Schweigen bestraft oder aber auslacht, richtet womöglich schwerere Schäden an als mit der Ohrfeige. Psychologen raten zu einem Mix aus Lob und Tadel, Belohnungen und Verboten. Die Kunst besteht in der richtigen Balance.  

Frau ohrfeigt Kind

Weitere Artikel

Kommentare