Fahren nach Cannabis Konsum: Das droht dem Fahrer

Dienstag, 20.02.2018

Wer nach dem Konsum von Cannabis Auto fährt, riskiert viel. Aufgrund des eingeschränkten Reaktionsvermögens drohen Unfälle, Kontrollen durch die Polizei können zudem zu einem Entzug der Fahrerlaubnis führen. So sieht die Rechtslage derzeit aus.

Ein Glas Wein oder ein Joint bedeuten in Deutschland noch kein Fahrverbot. Für beide Drogen gilt ein erlaubter Grenzwert. Gerade beim Joint, also dem Konsum von Cannabis, ist das allerdings riskant: Wann ist ein Nanogramm THC auf einen Milliliter Blut erlaubt? (Tests bietet die Apotheke.) Und in welchem Zeitraum wird der Stoff vom Körper wieder abgebaut?

Welche Strafen drohen?

Wer mit mehr als einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut erwischt wird, muss mit einem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen. Dieser Wert kann häufig noch Tage nach dem Cannabis-Konsum gemessen werden. Obwohl Sie sich fit und munter fühlen heißt es dann: Der Angeklagte hat seinen Drogenkonsum nicht im Griff und darf kein Kraftfahrzeug führen.

In der Praxis werden „Ersttäter“ meist mit einer gewissen Gnade behandelt, auch in diesem Fall steht jedoch ein Fahrverbot an. Folgendes Strafmaß gilt als wahrscheinlich:

  • Erstes Delikt: 500 Euro Strafe, zwei Punkte, ein Monat Fahrverbot
  • Zweites Delikt: 1.000 Euro Strafe, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot
  • Drittes Delikt: 1.500 Euro Strafe, zwei Punkte, drei Monate Fahrverbot   

Kommt es zum Führerscheinentzug (wegen Verkehrsgefährdung meist ein Jahr, mindestens jedoch sechs Monate), setzt die Wiedererlangung des Führerscheins vollständige Abstinenz und das Bestehen der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) voraus.

Rechtsprechung wird realitätsnäher

Mediziner machen daher geltend, dass der Entzug der Fahrerlaubnis nach einem Joint nicht immer gerechtfertigt ist. So könne Cannabis-Konsum dazu führen, dass auch ohne Rausch noch lange erhöhte Werte in Blut und Urin nachzuweisen seien.

Die Gesetzgebung scheint auf diese Tatsache zu reagieren. Wurde bis 2005 noch jede THC-Fahrt mit einem Führerscheinentzug geahndet, gelten seitdem der genannte Toleranzwert und die Abstufung nach Anzahl der Delikte.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat 2017 zudem der Klage eines Ersttäters gegen den Führerscheinentzug stattgegeben, der mit 3,7 ng/ml THC im Blut gestoppt worden war. Zur Urteilsbegründung hieß es, dem Mann hätte eine MPU offeriert werden müssen. Anders sei nicht einzuschätzen, ob er tatsächlich dauerhaft kein Fahrzeug führen könne. Diese Fahr-Unfähigkeit hatten die Gerichte zuvor jedoch als gegeben angesehen, sobald Autofahren und Gelegenheitskonsum zusammenkamen.

Joint im Auto

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