Erbe antreten oder ausschlagen: Wie funktioniert das Erbrecht?

Donnerstag, 23.03.2017

Das Erbrecht regelt, wer nach dem Tod eines Menschen dessen Nachlass erhält. Wer ein Erbe annimmt, übernimmt automatisch die Rechte und Pflichten des Verstorbenen. Wer das Erbe ausschlägt, erhält nichts, haftet aber auch nicht mit seinem privaten Vermögen für Verträge oder Schulden des Toten. So funktioniert das Erbrecht:

Nur sechs Wochen beträgt die Frist, um nach dem Tod eines Menschen zu entscheiden, das Erbe anzutreten oder auszuschlagen. Ist nicht bekannt, ob der Nachlass zu Lebzeiten gesondert geregelt wurde und welche Werte oder Verbindlichkeiten er umfasst, sollten – bei aller Trauer – schnell Erkundigungen eingezogen werden.

Erbrecht: Rasch Auskünfte über Vermögen des Verstorbenen einholen

Erste Anlaufstelle ist das zuständige Nachlassgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen, das beim Amtsgericht angesiedelt ist. Dort wird die Ausstellung eines Totenscheins beantragt, aus dem die Erbfolge hervorgeht. Existiert ein Testament, wird es beim Nachlassgericht eröffnet, um danach innerhalb der sechs Wochen-Frist über Annahme oder Ablehnung des Erbes zu entscheiden.

Drei Viertel aller Deutschen hinterlassen kein Testament

Stellt sich heraus, dass der Verstorbene keine gesonderte Regelung für seinen Nachlass getroffen hat, gilt automatisch das Erbrecht: Gesetzliche Erben sind der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner und Verwandte ersten und zweiten Grades. Normalerweise erben nur eigene Nachkommen, also Kinder. Ist der Ehepartner des Verstorbenen tot, erben die Kinder alles. Ansonsten beträgt ihr Anteil drei Viertel (bei Ehe in Zugewinngemeinschaft die Hälfte) des Erbes. Sind die Kinder des Verstorbenen ebenfalls schon tot, erben die Enkel, dann die Urenkel. Bei Kinderlosen erben die Eltern. Ist nur ein Elternteil noch am Leben, erben dessen Nachkommen, also die Geschwister des Toten. Nach deren Ableben sind Neffen und Nichten erbberechtigt. Ist kein Angehöriger ersten oder zweiten Grades vorhanden oder wird das Erbe (auch von einzelnen Erbberechtigten) ausgeschlagen, erbt der Staat.

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