Enterbung: Du bist enterbt! Aber geht das überhaupt?

Donnerstag, 20.07.2017

Einen unliebsamen Verwandten zu enterben, das ist kinderleicht: Der Erblasser regelt das im Testament, zum Beispiel indem er den Briefträger zum Alleinerben macht. Schon ist die gesetzliche Erbfolge ausgehebelt. Das Problem daran: Der Pflichtanteil bleibt von der Enterbung unberührt. 

Den eigenen Kindern und dem Ehepartner steht nämlich ein Pflichtteil vom Erbe zu, der zusammen 50 Prozent des Vermögens ausmacht. Den zu verweigern, braucht gute Gründe.

Die Tochter enterben?

Will zum Beispiel ein alleinstehender Vater als Erblasser eine seiner beiden Töchter enterben und  vermacht der anderen testamentarisch alles, beschränkt das den Anteil der Enterbten lediglich auf 25 Prozent. Als eine von zwei Pflichtanteilsberechtigten erhält die Tochter nämlich trotz Enterbung die Hälfte des Pflichtteils, der wiederum die Hälfte des vererbten Vermögens ausmacht.

Gesetzliche Gründe für eine Enterbung

Ausgeschlossen ist die Enterbung aber dennoch nicht. Der Gesetzgeber listet mehrere Gründe auf, die von der böswilligen Verweigerung des Unterhalts bis zur körperlichen Gewalt gegen den Erblasser reichen. Auch verurteilte Straftäter mit einer Gefängnisstrafe ab einem Jahr dürfen vollständig enterbt werden.

Ein Dauerzwist in der Familie, um den es meist geht, genügt jedoch nicht.

Bei einer Entziehung des Pflichtteils muss der Erblasser die Gründe im Testament schriftlich darlegen. Bei allen anderen Erbregelungen wird dagegen keine Begründung verlangt.

Mit Raffinesse zum Ziel

Ist dem Erblasser der Wunsch zur Enterbung frühzeitig klar, kann er sein Hab und Gut nach und nach verschenken. Pflichtteilberechtigte gehen dabei jedoch nur leer aus, wenn die Schenkungen länger als zehn Jahre zurückliegen. Sonst können sie einen sogenannten Ergänzungsanspruch geltend machen.

Ebenfalls wirksam wäre ein notariell beglaubigter Pflichtanteilsverzicht des ungeliebten Erbes. Dafür dürften jedoch einige Überredungskünste gefragt sein.       

Streit zwischen Vater und Sohn

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