Das müssen Sie im Bewerbungsgespräch preisgeben

Freitag, 19.05.2017

Traumjob oder arbeitslos, oft genug entscheidet darüber das Bewerbungsgespräch. Gute Vorbereitung ist daher das A und O. Alles von sich preisgeben müssen Sie aber dennoch nicht. Viele Fragen sind für den Personaler tabu. Stellt er Sie dennoch, ist eine überlegte Reaktion gefragt.   

Seit Inkrafttreten des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes“ (AGG) im Jahr 2006 können Arbeitgeber nach einem Bewerbungsgespräch wegen Diskriminierung verklagt werden, wenn sie Bewerbern unerlaubte Fragen stellen. Laut AGG sind alle „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“

Die Regelung bedeutet zugleich, dass Fragen nach Ihrem Privatleben, dem Gesundheitszustand und der Parteien- oder Kirchenzugehörigkeit per Gesetz verboten sind. Das gilt auch für Themen wie die Partnerschaft und sexuelle Orientierung oder Fragen nach dem Kinderwunsch oder zu Familienangehörigen.

Offenbarungspflicht in Ausnahmefällen auch für Privates

Ausnahmen bestehen nur, wenn es die Jobbeschreibung zwingend erfordert. Der  Arbeitgeber muss dann also aufgrund des Job-Profils ein berechtigtes Interesse nachweisen.

Bewerben Sie sich etwa um eine Stelle als Tänzerin oder Model, ist die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft ehrlich zu beantworten. Ähnliches gilt für Fragen nach Ihren finanziellen Verhältnissen, wenn der künftige Beruf im Finanzbereich angesiedelt ist und Sie in Kontakt mit Bargeld kommen. Eine angehende Kosmetikerin dürfte demnach zum Beispiel nach bestehenden Allergien befragt werden und ein Mitarbeiter der Kirche nach seiner Konfession. Ob Sie Gewerkschaftsmitglied sind, geht dagegen niemanden etwas an.  

Antworten auf unerlaubte Fragen vorbereiten

Es ist im Einzelfall immer abzuwägen, wann man sich im Bewerbungsgespräch mit einer Notlüge aus der Affäre zieht. Spielt die eigentlich illegale Frage keine Rolle für den Job, kann Sie der Arbeitgeber später auch nicht wegen einer Unwahrheit belangen.

Weisen Sie den Personaler im Bewerbungsgespräch darauf hin, dass seine Frage unzulässig ist, ist der Job womöglich weg. Auch Schweigen wird gerne falsch gedeutet. Eine Notlüge ist daher in manchen Situationen die beste Wahl.  

Tipp: Die meisten Personaler interessieren sich gar nicht für die Antworten, wenn sie indiskrete Fragen stellen. Es handelt sich eher um einen Test, wie der Bewerber in einer Stresssituation reagiert. Wer diese Provokation ignoriert, hat gute Karten. 

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