Das Ende der Tachomanipulation

Freitag, 23.02.2018

Den Tachostand von Gebrauchtwagen zu manipulieren ist ein lohnendes Geschäft. Laut ADAC zahlen Käufer aufgrund des Betrugs im Durchschnitt satte 3.000 Euro zu viel. Die EU-Kommission geht davon aus, dass 12 Prozent aller Gebrauchtwagenkäufe von der Manipulation betroffen sind, die deutsche Polizei rechnet sogar mit mehr als 30 Prozent. Nun ist ein Ende der Misere in Sicht.

Nach einer Entscheidung der EU müssen seit September 2017 alle Neuwagen mit einer technischen Lösung ausgestattet werden, die eine Manipulation beim Kilometerstand ausschließt. Gemäß neuer EG-Typgenehmigung 2017/1151 ist anderenfalls keine Zulassung zu bekommen. Gelangen diese Fahrzeuge später auf den Gebrauchtwagenmarkt, können Käufer erstmals von realen Tachoständen ausgehen.

Der lange Weg zur Käufersicherheit

Mit der neuen Regelung dürften Gebrauchtwagen langfristig günstiger werden. Das ist erfreulich, erklärt jedoch nicht den vorherigen Stillstand. Der ADAC hatte schon vor Jahren nachgewiesen, dass die Manipulation mit einem Aufwand im Cent-Bereich pro Fahrzeug zu verhindern sei. Das dennoch nichts geschehen ist, führen Kritiker auf das Desinteresse der Autoindustrie zurück. Der Verdacht: Günstigere Gebrauchtwagen könnten den Verkauf von Neuwagen erschweren, was dem Interesse der Hersteller widerspricht.

Bisher (und für älter Fahrzeuge noch immer) war es mit einem Gerät für rund 150 Euro möglich, den Tachostand in Minuten auf den gewünschten Stand herunterzudrehen. Der schwer nachzuweisende Betrug boomte und wurde auch als günstige Dienstleistung angeboten. Eine große Verlockung für den Auto-Verkäufer, denn mit einem Einsatz von kaum 50 Euro waren einige hundert Euro mehr zu verdienen.

Gravierende Auswirkungen

Folgen hat der Betrug nicht nur für die geprellten Käufer, die europaweit pro Jahr fast zehn Milliarden Euro zu viel auf den Tisch gelegt haben. Der falsche Kilometerstand beeinträchtigt auch Verkehrssicherheit und Umwelt: In Unwissenheit der realen Laufleistungen erfolgte der prophylaktische Austausch von Verschleißteilen und die vorgeschriebene Durchsicht oft zu spät, was zu Motorschäden führen konnte.

Nicht zuletzt dürfte die Manipulation zum erhöhten Schadstoffausstoß bei Dieselfahrzeugen beigetragen haben: Nicht nur der Käufer, auch die Motorsteuerung wurde nämlich über den realen AdBlue-Stand und den Zustand des Partikelfilters getäuscht. Das könnte auch einer der Gründe gewesen sein, warum sich die EU-Kommission nun zu einer „schnellen“ Entscheidung durchgerungen hat.

Mechanischer Kilometerzähler

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