Das Arbeitszimmer von der Steuer absetzen - so geht's

Dienstag, 20.06.2017

Ein Home Office bringt Ihnen unter Umständen steuerliche Vorteile – wenn Sie einige Vorschriften beachten. Wir erklären, wann und wie Sie ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen können.

Seit dem neuen Gesetz im Jahr 2016 herrscht Verwirrung: Wer darf das Arbeitszimmer von der Steuer absetzen, und wie? Tatsächlich wurden die Regelungen um Einiges strenger. Nutzen Sie das Arbeitszimmer in Ihrer Wohnung auch beispielsweise als Gästezimmer, dürfen Sie es nicht mehr von der Steuer absetzen.

So muss das Arbeitszimmer beschaffen sein

Egal, ob sich das Arbeitszimmer in der Mietwohnung oder dem eigenen Haus befindet, so muss es aussehen:

  • Es muss als Arbeitszimmer eingerichtet sein, d.h. mit Tisch, Stuhl, eventuell Bücherregal sowie Computer und anderen elektronischen Hilfsmitteln wie Telefon.
  • Das Zimmer darf laut Bundesfinanzhof nur „ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einkünften“ genutzt werden.

Als Kriterium für die private Mitnutzung des Arbeitszimmers gilt die Einrichtung: Steht ein Gästebett oder das Puppenhaus der Kinder darin, gilt es nicht mehr als ausschließliches Arbeitszimmer. Dann dürfen Sie es nicht steuerlich geltend machen.

Wird die Nutzung kontrolliert?

Die schlechte Nachricht ist: Wenn Sie zum ersten Mal ein Home Office bei der Steuer anmelden, wird Ihr Finanzamt eventuell aktiv und überprüft Ihr Arbeitszimmer persönlich. Die gute Nachricht ist: Die Beamten müssen ihren Besuch vorher ankündigen, Sie könnten also vorher den verdächtigen Fernseher oder das Bügelbrett entfernen.

Schlechte Nachrichten gibt es leider auch für Heimarbeiter, die sich keine große Wohnung leisten können und daher nur eine Arbeitsecke oder ein Durchgangszimmer beruflich nutzen. Beide werden vom Finanzamt nicht anerkannt, da die Räume zwangsläufig auch privat mitgenutzt werden.

Wie wird das Arbeitszimmer steuerlich geltend gemacht?

Je nachdem, wie oft Sie Ihr Arbeitszimmer beruflich nutzen, umso mehr dürfen Sie von der Steuer absetzen. Es wird zunächst zwischen einer vollständigen Tätigkeit vom Home Office aus oder nur einer teilweisen Nutzung zum Geldverdienen unterschieden.

Fall 1: Das Berufsleben geschieht zu 100 Prozent vom Home Office aus

Betroffen sein können Selbständige wie Künstler, Steuerberater oder Journalisten.

Absetzbar:

  • Ausstattung, zum Beispiel Teppich, Tapete, Lampen (auch noch nachträglich)
  • Renovierung
  • Miete und Nebenkosten jeweils anteilig zu Ihrer Gesamtmiete

Um die Miete abzusetzen, berechnen Sie den Prozentsatz der Fläche, die Ihr Arbeitszimmer von Ihrer gesamten Wohnung einnimmt. Derselbe Prozentsatz ist dann auch von Ihrer Gesamtmiete absetzbar. Sie geben den Betrag bei der Steuererklärung als Selbständiger unter „Betriebsausgaben“ an. Angestellte geben die Kosten als Werbungskosten an.

Fall 2: Sie sind nur anteilig im Home Office tätig

In diesem Fall dürfen Sie bis zu 1250 Euro im Jahr durch Ihr Arbeitszimmer steuerlich geltend machen. Das heißt, Sie können ebenfalls die Kosten für die Ausstattung und die anteilige Miete geltend machen, aber eben nur bis zu einem Höchstbetrag von 1250 Euro. In beiden Fällen sollten Sie die passenden Belege aufbewahren, weil das Finanzamt sie anfordern könnte.

Was ist mit den Möbeln und dem PC?

Computer, Laptop, Drucker, Schreibtisch und Stuhl zählen nicht zur Ausstattung, sondern zu den Arbeitsmitteln. Aber auch diese können Sie gesondert als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Ein Sonderfall: Sie sind im außerhäuslichen Arbeitszimmer tätig

Mieten Sie sich ein Zimmer in einem Haus, in dem Sie nicht privat wohnen, können Sie diese Miete unbegrenzt als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen.

Das Arbeitszimmer in der eigenen Immobilie

Als Hausbesitzer dürfen Sie noch eine Reihe von Kosten mehr gültig machen, zum Beispiel anteilig die Grundsteuer und die Gebäudeversicherung auf Ihr Haus.

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