Darf man Eintrittskarten weiterverkaufen?

Dienstag, 01.08.2017

Viele Veranstalter untersagen den Weiterkauf ihrer Eintrittskarten. Bei Missachtung werden Strafgelder und weitere Sanktionen wie ein Stadionverbot angedroht. Aber ist es tatsächlich illegal, Eintrittskarten weiter zu verkaufen, wenn einem etwas dazwischen kommt?

Privatpersonen dürfen nicht namentlich gebundene Eintrittskarten weiterverkaufen, in diesem Punkt ist sich die Rechtssprechung grundsätzlich einig. Der Bundesgerichtshof urteilte, dass es einem privaten Käufer unabhängig von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Veranstalters möglich sein muss, seine Eintrittskarte an eine andere Privatperson verkaufen zu können, wenn er erkrankt oder aus anderen Gründen verhindert ist (BGH, I ZR 74/06). Ein generelles Verbot des Weiterverkaufs widerspricht nach Ansicht der Richter dem Grundsatz der Verkehrsfähigkeit und damit der Beweglichkeit von Wirtschaftsgütern, wie auch Eintrittskarten sie darstellen.

Gewerblicher Weiterverkauf darf untersagt werden

Ein Verbot in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, Eintrittskarten weiter zu verkaufen, ist den Veranstaltern allerdings erlaubt, wenn die Karten zum gewerblichen Gebrauch erworben werden. Händlern, die ein größeres Kontingent an Eintrittskarten abnehmen, um durch den Weiterverkauf Gewinn zu erzielen, kann auch die maximale Handelsspanne vorgeschrieben werden. Wird die Beschränkung verletzt, ist der Veranstalter zur Klage berechtigt.

Für private Verkäufer gelten keine Preisvorschriften

Wer als Privatperson seine Eintrittskarten an Dritte verkaufen will, muss sich nicht an Preisvorgaben des Veranstalters halten. Auch ein Zehnfaches des Originalbetrages stellt nach Ansicht des Oberlandesgerichts Köln (OLG Köln, OLGE 93, 193, 194f.) keinen Wucher dar, da keine Notlage ausgenutzt werde. Allerdings sind die Grenzen zum gewerblichen Handel oft fließend. Vorsicht ist zum Beispiel geboten, wenn Sie als privater Verkäufer mehrfach über dieselbe Plattform Eintrittskarten zu deutlich erhöhten Preisen weiterverkaufen. Daraus kann eine vorsätzliche Gewinnerzielungsabsicht abgeleitet werden. Es wird dann unterstellt, dass die Eintrittskarten nur zum Zwecke des Wiederverkaufs gekauft wurden.

Derjenige, der als Dritter Eintrittskarten erwirbt, die von Privatpersonen oder gewerblichen Ticketanbietern weiterverkauft werden, handelt niemals illegal. Der Kaufvertrag kommt nur zwischen dem ersten Käufer und dem Veranstalter zustande, und auch nur für diese gelten die AGB.

Was ist mit angedrohten Sanktionen wie Stadionverbot?

Genauso unzulässig wie ein generelles Verbot für Privatpersonen, ihre Eintrittskarten weiter zu verkaufen, sind weitere Sanktionen aufgrund dieses Verkaufs, etwa Vertragsstrafen für Fans, der Ausschluss von weiteren Kartenbestellungen oder ein Zutrittsverbot zur Arena (LG Essen, Az. 4 O 69/09).

Ausnahme: Personalisierte Tickets

Wer wegen Krankheit oder aus anderen Gründen nicht wie geplant zu Sport- oder Konzertereignissen gehen kann, kann seine personengebundene Eintrittskarte vorher direkt beim Veranstalter zurückgeben. Alternativ ist es häufig möglich – meist gegen eine Gebühr – das Ticket auf den Namen einer anderen Person umzuschreiben.

Ticket vor rotem Bühnenvorhang

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