Darf der Arbeitgeber einen genehmigten Urlaub widerrufen?

Dienstag, 17.10.2017

Die Genehmigung des Urlaubs ist verbindlich. Ein Widerruf ist zumindest solange nicht möglich, bis eine echte Notsituation das Unternehmen dazu „zwingt“. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn die Existenz der Firma durch den Urlaub bedroht ist.

In der Praxis kann der Widerruf dennoch zu Problemen führen, auch wenn er sich später als rechtswidrig herausstellt. Auch in diesem Fall ist es dem Arbeitnehmer nämlich nicht gestattet, die Fahrt in die Ferien ohne vorherige Klärung anzutreten. Macht er es dennoch, kann die Kündigung die Folge sein.

Was tun, wenn der Arbeitgeber den genehmigten Urlaub streicht?

Helfen können in diesem Fall nur das Gespräch mit dem Vorgesetzten, der Betriebsrat oder das zuständige Arbeitsgericht. Wird der Urlaub nämlich vor dem Antritt gestrichen, bedarf es auch der vorherigen Klärung. Eine Rückkehr vom Urlaubsort kann dagegen nicht verlangt werden, selbst wenn eine Rückruf-Vereinbarung im Arbeitsvertrag steht. Das Bundesarbeitsgericht hat solche Vereinbarungen für unwirksam erklärt (9 AZR 405/99).

Die Streichung des gewährten Urlaubs führt dazu, dass der Arbeitgeber die entstehenden Kosten der Stornierung tragen muss. Wird die Reise später erneut und damit in einer teureren Saison angetreten, zahlt der Arbeitgeber auch diese Differenz. 

Wann ist der Widerruf des genehmigten Urlaubs rechtens?

Voraussetzungen für diesen Ausnahmefall ist ein überraschendes Ereignis, das die Firma in Bedrängnis bringt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn eine Grippewelle dafür sorgt, dass der Geschäftsbetrieb ohne den Urlauber zum Erliegen kommt, da seine Position nicht anderweitig besetzt werden kann. Der Widerruf des Urlaubs setze demnach eine zwingende Notwendigkeit ohne Alternativen voraus.       

Ein einfacher Engpass bei den Arbeitskräften genügt jedoch nicht. So hat das Landesarbeitsgericht Köln 2011 entschieden (8 Ca 3645/10), dass die fristlose Kündigung einer Verkäuferin ungültig ist. Die Frau war nicht zur Arbeit erschienen, obwohl ihr einige Urlaubstage wieder gestrichen worden waren. Begründet wurde der Widerruf mit dem Personalmangel an einem verkaufsoffenen Sonntag. Der Verkauf hatte letztlich aber trotzdem stattgefunden. Das Gericht sah daher keinen Beweis, dass ein wichtiger Grund für die fristlose Kündigung vorgelegen hätte.

Kind traurig im Auto

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