Bitcoin-Gewinne versteuern – das müssen Sie wissen

Dienstag, 20.02.2018

Besitzer von Kryptowährungen, allen voran von Bitcoins, hatten in den vergangen Monaten reichlich Grund zum Feiern: Der Kurs stieg binnen Jahresfrist von unter 1.000 auf über 16.000 US-Dollar. Da Experten sowohl den Absturz als auch eine Rallye in den sechsstelligen Bereich für möglich halten, sind weiterhin gute Nerven gefragt. Das gilt für den Bitcoin, aber auch für Ether (Ethereum) und andere kryptische Zahlungsmittel. Für verkaufswillige Eigner stellt sich dabei immer zugleich die Frage der Steuern: Was will der Staat, was bleibt in der eigenen Tasche?

Diese Steuern fallen beim Kauf von Kryptowährungen an

Der wichtigste Satz gleich zu Beginn: Wer seine privat erworbenen Bitcoins länger als ein Jahr hält, schlägt dem Finanzamt ein Schnippchen. Alle Gewinne sind steuerfrei. Sollte der Boom der Kryptowährungen weiter anhalten, lohnt das Investment also gleich doppelt. Hier sind Bitcoins & Co. mit ihrer Befreiung von der Spekulationsteuer im Vergleich zu Aktien deutlich im Vorteil.  

Wer sich, verlockt vom Kurssprung, früher von der Cyber-Währung trennt, wird steuerlich zur Kasse gebeten. Zwar wird auch in diesem Fall keine Abgeltungssteuer fällig, aber eine Versteuerung nach dem persönlichen Einkommenssteuersatz steht an. Der Anleger ist nach den realisierten Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verpflichtet, sein Plus in der Anlage für Sonstige Gewinne in der Steuererklärung geltend zu machen. Steuerfrei bleibt der Erfolg damit nur, wenn die Freigrenze von 600 Euro nicht gerissen wird. Liegt der Gewinn darüber, wirkt sich der Gesamtbetrag steuerhöhend aus. Die gute Nachricht dazu: Die Umsatzsteuer wird nicht erhoben.

Einen interessanten Unterschied macht das Steuerrecht, um beim Beispiel Bitcoin zu bleiben, zwischen Trading Steuern und Mining Steuern. Dabei wird berücksichtigt, dass man den Bitcoin nicht nur erwerben, sondern auch selbst schürfen kann, was allerdings die wenigsten Anleger betreffen dürfte. Wem es gelingt, sich seine Bitcoins über Algorithmen selbst zu erstellen, realisiert beim Verkauf nämlich Gewinne aus einem Gewerbe und muss diese auch als solche versteuern.    

Warum es keine gute Idee ist, Bitcoin-Steuern zu umgehen 

Die Versteuerung der Bitcoin-Gewinne kostet nicht nur Geld, sie bedeutet auch einen gewissen Aufwand. Gerade wer diese „Wirtschaftsgüter“ (als solche werden sie steuerlich betrachtet) in kleinen Stückelungen und zu unterschiedlichen Kursen an- und verkauft, muss die Daten im Auge behalten. Aus rein zeitlicher Sicht zugunsten des Verkäufers gilt dabei: Die zuerst erworbenen Coins gelten auch als die, die zuerst veräußert wurden (FIFO-Prinzip). In vielen Fällen ist der Rat eines Steuerberaters jedoch dringend zu empfehlen. Bei einem aktiven Privathändler mit diversen Transaktionen kommen schnell einige Dutzend Seiten an Nachweisen und Berechnungen zusammen.

Wer vorausdenkt, sollte sich schon bei Einkauf von Bitcoin damit befassen, welche Auswertungstools die jeweilige Handelsplattform (Bitcoin-Marktplatz, Bitcoin-Börse, CFD-Broker etc.) bereitstellt, um die steuerliche Abrechnung zu erleichtern. Die Unterschiede sind gravierend, meist wird jedoch nur auf die schnelle und sichere Abwicklung (und die Anonymität) des Kaufprozesses geachtet.

Jeder Versuch, die Bitcoin Steuern zu umgehen, ist wenig ratsam. Dem Fiskus ist durchaus bewusst, dass hier kein Geldinstitut automatisch eine Abgeltungssteuer in Abzug bringt. Schon aufgrund der Kurssprünge geht es auch für das Finanzamt um Milliarden, die man im Auge behalten wird. Selbst wenn die Käufe über ferne Handelsplattformen getätigt wurden, dürfte an der (zugegeben schwierigen) Nachverfolgung also mit Hochdruck gearbeitet werden. Der Steuerbetrug kann neben schlaflosen Nächten also auch zu einem längeren Gefängnisaufenthalt führen. Da nützt es auch nichts zu behaupten, man habe nicht gewusst, dass Bitcoin Gewinne zu versteuern sind.

Bitcoin & Co. als Geldanlage

Vieles spricht also aus steuerlicher Sicht dafür, die Bitcoin Investition als längerfristige Geldanlage zu sehen. Die Frage ist nur: Ist mit einer nachhaltigen Wertsteigerung zu rechnen? Die kurze Antwort darauf: Das weiß niemand und Prognosen lassen sich in beide Richtungen begründen. Waren Buffett als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt prophezeit auf CNBC „ein böses Ende“ und betont, er würde langfristig (der Blick reicht hier bis zu fünf Jahre voraus) auf einen Kursverlust wetten. Dagegen spricht Octagon Strategy-CEO Dave Chapman davon, dass der Bitcoin noch in diesem Jahr die Marke von 100.000 Dollar knacken könnte. Andere Analysten sehen 30.000 USD und mehr als realistisch an. Prognosen dieser Art dürften weitere Glücksritter anlocken, wobei neben dem Bitcoin auch Ripple, IOTA, Ethereum oder auch Dash, Monero oder Litecoin ins Zentrum des Interesses rücken könnten. Die Einstiegshürden sind hier finanziell noch deutlich geringer.

Ob die Pessimisten oder Optimisten letztlich Recht behalten, dürfte nicht zuletzt an den regulatorischen Maßnahmen der US-Börsenaufsicht und der Regierungen weltweit hängen. Die Blockchain-Technologie selbst bliebe jedoch auch bei weitreichenden Handelsverboten ein großer Wurf mit erheblichem Gewinnpotential für Anleger und Unternehmen wie Amazon oder Alibaba, die mit eigenen Kryptowährungen aufwarten dürften.       

Bitcoin vor Kurstafel

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