Bekommt das Sorgerecht immer die Mutter?

Freitag, 23.06.2017

Eltern haben das Recht und die Pflicht für ihr Kind zu sorgen. In den allermeisten Fällen tun sie das gemeinsam, auch nach einer Trennung. Kommt es zum Streit, hat der Vater allerdings oft das Nachsehen. Doch die Zeiten ändern sich.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: In mindestens neun von zehn Scheidungsverfahren bleibt das Sorgerecht bei beiden Eltern. 2015 lag die Quote sogar bei 96 Prozent. Nur in wenigen Fällen muss also überhaupt eine Entscheidung für Vater oder Mutter herbeigeführt werden. Diese endet dann allerdings meist zugunsten der Mutter. In mehr als drei von vier Fällen.

Warum erhalten meist Mütter das Sorgerecht?

Die erste Vergabe des Sorgerechts erfolgt mit der Geburt des Kindes. Sind Vater und Mutter zu diesem Zeitpunkt verheiratet oder geben eine gemeinsame Sorgeerklärung ab, erhalten sie beide das Sorgerecht. Seit 2013 haben unverheiratete Väter zudem die Möglichkeit, das gemeinsame Sorgerecht auch ohne Zustimmung der Mutter zu erlangen. Kann die Mutter keine triftigen Gründe für eine Verweigerung des Sorgerechts nennen, ist der Vater mit im Boot.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Trifft keiner der Punkte auf die jungen Eltern zu, liegt das alleinige Sorgerecht automatisch bei der Mutter. Automatisch beim Vater liegt es aus nachvollziehbaren Gründen nie, vom Sterbefall der Mutter einmal abgesehen.

Das Kindeswohl

Bei der gerichtlichen Entscheidung über das Sorgerecht steht das Kindeswohl stets im Vordergrund. Um den Antrag auf alleiniges Sorgerecht zu begründen, bedarf es dabei guter Argumente – denn es geht dabei immer um eine Ausnahme von der Regel.

Es genügt also nicht, dass es dem Kind bei einem der Partner „wahrscheinlich“ ein bisschen bessergehen könnte. Um den anderen vom Sorgerecht auszuschließen, muss schon eine ernste Gefährdung für das leibliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes gegeben sein.

Tradition und Moderne

Die Einschätzung, wann diese Gefahr für das minderjährige Kind besteht, beruht auf objektiven Gründen wie zum Beispiel schwerem Alkoholismus, aber auch auf subjektiven Gesichtspunkten. Hier kommt, ob bewusst oder unbewusst, das tradierte Familienbild ins Spiel: die Mutter daheim bei der Kindererziehung, der Vater im Unternehmen auf der Karriereleiter.

Wer dieser Sicht anhängt, wird wohl weit eher einem alleinigen Sorgerecht der Mutter zustimmen. Denn ist es für das Kindeswohl nicht schon hochgradig gefährdend, wenn die Mama lange Zeit nicht da ist?

Die statistischen Unterschiede zwischen den Bundesländern scheinen dies zu belegen. So haben Väter in Brandenburg gute Chancen, in Bayern können sich den Weg zum Familiengericht dagegen sparen.  

Interessant dabei: Ein gewisser Ausgleich folgt oft erst nach dem eigentlichen Scheidungsverfahren, in dem die Mutter das alleinige Sorgerecht erhalten hat. Wird später nämlich neu entschieden, haben Väter oft weit bessere Karten.

Bessere Chancen für Väter

Der Normalfall ist und bleibt in Deutschland das gemeinsame Sorgerecht. Muss ein Familiengericht für einen Partner entscheiden, haben Väter zunehmend bessere Chancen. Nicht zuletzt mit den eingetragenen Lebensgemeinschaften muss ohnehin mit dem Vater-Mutter-Kind-Bild gebrochen werden. Da führt kein Weg dran vorbei.

Bekommt das Sorgerecht immer die Mutter?

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