Baustellenlärm: Wie viel Lärm muss ich hinnehmen?

Dienstag, 24.10.2017

Bau(stellen)lärm lässt sich einschränken, verhindern lässt er sich nicht. So wird einerseits vom Bauherrn eine gute Planung bei der Geräuschimmission verlangt, andererseits aber auch Toleranz von den Anwohnern. Was zulässig ist, regeln das Immissionsschutzgesetz und die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm", kurz AVV Baulärm.

Generell wird unter Baulärm beziehungsweise Baustellenlärm die Geräuschimmission im gewerblichen Umfeld verstanden – also der Einsatz von Baumaschinen bei der Errichtung neuer Gebäude, Straßen oder Werksanlagen. Hämmert und bohrt der Nachbar zu laut, verstößt er wahrscheinlich gegen die Hausordnung, nicht aber gegen die AVV Baulärm.   

Baustellenlärm: Generelle Vorgaben

Für die Gesamtheit der Bauarbeiten gilt zunächst: Die Lärmbelästigung ist so gering zu halten wie möglich. Das erfordert auch den Einsatz moderner Technik, sofern diese den Lärmpegel im Vergleich zu älteren Maschinen senkt.

Über diesen allgemeinen Grundsatz hinaus gelten für die unterschiedlichen Arbeiten Grenzwerte in Dezibel (db), die eingehalten werden müssen. Dabei wird – wie in der Hausordnung auch – nach Tageszeiten unterschieden. Übersteigt die Lärmimmission diesen Grenzwert, können die Anwohner auf Abhilfe bestehen. Der Betreiber der Baustelle macht sich dann einer Ordnungswidrigkeit oder im Extremfall einer Umweltstraftat schuldig.   

Für Wohngebiete gelten geringere Grenzwerte als für Gewerbegebiete. Die folgende Tabelle bietet dazu einen Überblick aus der AVV Baulärm:

Immissionsrichtwerte jeweils am Tag und in der Zeit von 20:00 Uhr bis 7:00 Uhr (nachts)

  • Gewerbe- und Industriegebiete: 70 db / 70 db
  • Vorwiegend gewerblich genutzte Gebiete: 65 db / 50 db
  • Misch-Gebiete: 60 db / 45 db
  • Vorwiegend bewohnte Gebiete: 55 db / 40 db
  • Wohngebiete: 50 db / 35 db
  • Kurgebiete, Krankenhäuser, und Pflegeheime: 45 db / 35 db

Folgen einer Überschreitung der Grenzwerte

Werden die Grenzwerte um mehr als fünf Dezibel überschritten, ist der Bauherr verpflichtet, Abhilfe zu schaffen. Das kann zum Beispiel über eine Beschränkung der Betriebszeiten oder den Einsatz von geräuschärmeren Maschinen erfolgen. Oft hilft auch eine bessere Planung besonders geräuschintensiver Arbeiten, zum Beispiel mit dem Presslufthammer oder Trennschleifer.  

Ermittelt werden die Immissionswerte mit speziellen, genormten Schallpegelmessern an festgelegten Punkten in der Umgebung, zum Beispiel an stark betroffenen Fenstern. Bei der Berechnung wird dann auch die Dauer einbezogen, in der die Baumaschinen im Einsatz sind. (Beurteilungspegel)

Das öffentliche Interesse geht vor

Werden die Grenzwerte trotz der eingeleiteten Maßnahmen weiterhin überschritten, ist eine Stilllegung der Maschinen möglich. Zwingend ist das jedoch nicht, denn der Gesetzgeber sieht Schlupflöcher vor. Liegt die fristgerechte Fertigstellung des Baus zum Beispiel im öffentlichen Interesse und kann ohne Grenzüberschreitung beim Geräuschpegel nicht erreicht werden, darf weiter Krach gemacht werden.

Wo können Sie sich bei Baustellenlärm beschweren?

Suchen Sie das Gespräch mit dem Bauherrn oder dem beauftragten Bauleiter. Scheitert eine einvernehmliche Lösung, können Sie sich an die Stadtverwaltung (Baukommission) wenden.

Bauarbeiter hält sich die Ohren zu

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