Augenblicksversagen: Wie Sie ein mögliches Fahrverbot abwenden können

Samstag, 04.11.2017

Wer bei Rot noch über die Kreuzung fährt oder eine Tempo-30-Zone missachtet, verhält sich grob fahrlässig. Es droht ein Fahrverbot. Was aber, wenn Sie das Signal oder Verkehrsschild nur übersehen haben? In diesen Fällen könnte es sich um Augenblicksversagen handeln.  

Ein Fahrverbot wird verhängt, wenn der Fahrer sich verantwortungslos, also grob fahrlässig verhält. Die Strafe soll dabei zugleich dafür sorgen, dass der Verkehrssünder die möglichen Folgen künftig bedenkt und sich in derselben Situation anders verhält.  

Bei einer kurzen Unaufmerksamkeit sind jedoch weder Vorsatz noch grobe Nachlässigkeit im Spiel. Es handelt sich damit dann um eine leichte Form der Fahrlässigkeit, für die der Gesetzgeber kein Fahrverbot vorsieht. Die Beurteilung Ihres Vergehens als Augenblicksversagen kann Sie daher vor einem Fahrverbot bewahren.

Was macht ein Augenblicksversagen aus?

Wer vor Gericht ein Augenblicksversagen geltend machen will, braucht triftige Gründe – und muss diese überzeugend vortragen. Letztlich gilt es, den Richter davon zu überzeugen, dass die Rechtsverletzung nur einer kurzen Unaufmerksamkeit geschuldet war.

Pro und Contra Augenblicksversagen     

Die Entscheidung über das Augenblicksversagen setzt eine genaue Analyse der Verkehrssituation voraus. So ist ein Urteil in Ihrem Sinne fast auszuschließen, wenn die übersehene Beschilderung mehrfach aufeinander gefolgt ist. Bei einem einzigen Schild an einer temporären Baustelle sieht das dagegen anders aus.

Bei der Tempoüberschreitung lohnt der Widerspruch kaum, wenn es sich um die übliche Geschwindigkeitsregelung handelt (z.B. 50 km/h innerorts), die missachtet wurde. Folgt zum Beispiel das Ortsausgangsschild jedoch erst weit hinter den letzten Häusern, können Sie geltend machen, dass Sie sich bereits auf der Landstraße mit Tempo 100 gewähnt haben.

Wer mit dem Handy in der Hand bei Rot über die Ampel fährt, ist kein Kandidat für Augenblicksversagen. Er handelt grob fahrlässig. Fahren Sie jedoch im Tross mit anderen Autos über eine Ampel, die zwischenzeitlich auf Rot schaltet, ist ein Versehen denkbar.      

Der Richter entscheidet

Kurz gesagt: Nur ein Moment der Unaufmerksamkeit wird vom Gesetz mit Milde bedacht. Folgt der Richter Ihren Argumenten nicht, ist der Führerschein weg. 

Frau erschrocken im Auto

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