Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland

Montag, 05.02.2018

Ausländer, die nach Deutschland einreisen wollen, benötigen eine Aufenthaltserlaubnis, die als Aufenthaltstitel (Visum) erteilt wird. Ausnahmen gelten für EU-Bürger (sowie EWR und Schweiz), die im Rahmen des Freizügigkeitsgesetzes ungehindert einreisen und arbeiten dürfen. Die Aufenthaltserlaubnis für Nicht-EU-Bürger ist auf sechs Monate befristet. Wer unbefristet in Deutschland bleiben und hier arbeiten möchte, benötigt eine Niederlassungserlaubnis

Bis vor einigen Jahren, genauer bis zum Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes 2005, ging es immer um die Aufenthaltsgenehmigung. Diese war ähnlich wie die Aufenthaltserlaubnis befristet und zweckgebunden. Der Begriff findet bis heute im Sprachgebrauch Verwendung.    

Aufenthalts- vs. Arbeitserlaubnis - was ist der Unterschied?

Das Aufenthaltsgesetz – heutiger Artikel 1 des Zuwanderungsgesetzes und damit zugleich Nachfolger des bis 2005 geltenden Ausländergesetzes – bildet (neben dem Asylgesetz) eine der Säulen des Ausländerrechts. Das Ausländerrecht wiederum fasst alle Regelungen zur Einreise, Erwerbstätigkeit und sozialen Absicherung von in Deutschland lebenden Ausländern zusammen.  

Im Aufenthaltsgesetz (Zuwanderungsgesetz) wird von der Vergabe von Aufenthaltstiteln gesprochen. Das Recht, in Deutschland zu leben, setzt diesen Aufenthaltstitel voraus. In der gesellschaftlichen Realität gibt es zudem die Grauzone der Duldung: Die „Geduldeten“ sind Ausländer aus Drittstatten ohne Aufenthaltstitel und Aufenthaltsrecht, deren Abschiebung ausgesetzt wurde.

Im Rahmen des Aufenthaltstitels wird seit 2005 auch das Recht geklärt, in Deutschland einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Ausländerbehörde erstellt den entsprechenden Bescheid (die früher als Arbeitserlaubnis für Ausländer vergeben wurde). Damit sind in der Praxis viele Fragen verbunden. Wer braucht eine Arbeitserlaubnis? Was regelt die Arbeitserlaubnis genau, was also steht tatsächlich drin, woher bekommt man das Formular, in wie weit ist die Bundesagentur für Arbeit involviert und so weiter. Da die Arbeitserlaubnis (die Arbeitsgenehmigung) Teil der Aufenthaltserlaubnis (des Aufenthaltstitels) ist, beziehen sich all diese Fragen auch auf das Bleiberecht selbst.   

Aufenthaltstitel beantragen oder verlängern

Der Aufenthaltstitel für Menschen aus Drittstaaten kann somit als Aufenthaltserlaubnis (befristet) oder Niederlassungserlaubnis (unbefristet) erteilt werden. Die Aufenthaltserlaubnis wird aus folgenden Gründen gewährt:

  • Beginn einer Ausbildung
  • Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
  • Völkerrechtliche oder humanitäre Gründe
  • Familiäre Gründe (Familiennachzug)
  • Rückkehr deutscher Auswanderer
  • Daueraufenthaltsrecht wurde in einem anderen EU-Staat erteilt 

Das Recht, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, muss bei Ausländern aus Drittstaaten ausdrücklich in der Aufenthaltserlaubnis vermerkt werden.

Drittstaatsangehörige mit Hochschulabschluss und einem gut entlohnten Arbeitsverhältnis (mind. rund 50.000 Euro im Jahr) in Deutschland erhalten mit der „Blauen Karte EUW“ einen befristeten Aufenthaltstitel für vier Jahre. Danach kann, sichere Sprachkenntnisse und rentenversicherungspflichtige Tätigkeit vorausgesetzt, eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erteilt werden. Erstmals besteht diese Möglichkeit nach 21 Monaten. Möglich ist auch die Erteilung einer Berechtigung zum Daueraufenthalt in der EU mit noch weitgehenderen Rechten bei der Reisefreiheit innerhalb der Union.

Wo Sie Ihre Aufenthaltsgenehmigung / Ihren Aufenthaltstitel beantragen oder verlängern hängt davon ab, zu welcher der folgenden Gruppen Sie gehören:

  • Bürger von EU und EWR sowie der Schweiz
  • alle anderen Staaten (Drittstaaten)
  • Spätaussiedler

EU-Bürger und Staatsangehörige Islands, Norwegens, Islands und der Schweiz müssen sich wie jeder Deutsche auch beim Meldeamt registrieren lassen. Die Ausländerbehörde bescheinigt das Aufenthaltsrecht für Sie und Ihre Familienangehörigen. Basis des unkomplizierten Verfahrens ist das Freizügigkeitsrecht.

Auch alle anderen Ausländer wenden sich an die jeweilige Ausländerbehörde der Stadt oder Gemeinde. Hier wird sowohl die Aufenthaltserlaubnis als auch die Arbeitserlaubnis erteilt.

Spätaussiedler wenden sich bitte an die Stadtverwaltung beziehungsweise die Gemeinde- oder Kreisverwaltung. Die Behörde hilft auch allen Ausländern weiter, die Probleme haben, die zuständige Ausländerbehörde zu ermitteln.

Aufenthaltserlaubnis = Arbeitserlaubnis?

Während EU-Bürger (+ Liechtenstein, Island, Norwegen, Schweiz) von der uneingeschränkten Arbeitnehmer-Freizügigkeit profitieren, sind Arbeitswillige aus Drittstaaten wie der Türkei auf eine extra ausgestellte Arbeitserlaubnis angewiesen. Das setzt zunächst einen Aufenthaltstitel voraus – meist also ein Visum, das bereits im Heimatland beantragt wurde.

Hinweis: Visumsfrei einreisen dürfen Bürger aus den USA sowie aus Kanada, Australien, Südkorea, Israel, Japan und Neuseeland.

Zusätzlich muss nachweislich ein Bedarf an der Erwerbstätigkeit bestehen, die der ausländische Arbeitnehmer ausüben möchte. Eine Liste mit diesen Tätigkeiten (Mangelliste) hält die Arbeitsagentur bereit.

Hinweis: Staatsangehörigen aus Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien wird mindestens bis Ende 2020 eine Arbeitserlaubnis erteilt, wenn sie ein verbindliches Job-Angebot aus Deutschland haben (ohne Leiharbeit). Qualifikation und „Mangelliste“ spielen dabei keine Rolle.

Nachweis im Kreditkartenformat

Ist die Aufenthaltserlaubnis erteilt, erhält der Berechtigte seinen elektronischen  Aufenthaltstitel. Dieser besitzt die Form einer Kreditkarte und beinhaltet neben dem Namen und einem Lichtbild folgende Daten:

  • Ausstellungsort und Beginn der Gültigkeit
  • Aufenthaltstitel und Gültigkeitsdauer des Aufenthaltstitels
  • Passnummer und Gültigkeitsdauer des Passes, sofern bekannt
  • Serien- und Zugangsnummer

Auf einem integrierten Chip sind zudem zwei Fingerabdrücke und das biometrische Lichtbild hinterlegt. Auch Auflagen und andere persönliche Daten können hinterlegt und abgerufen werden. Aufenthaltstitel, die noch im Reisepass eingetragen wurden, behalten bis 2021 ihre Gültigkeit. 

Aufenthaltsgenehmigung in ausgewählten Ländern

Aufenthaltsgenehmigung USA: Deutsche dürfen mit einem gültigen ESTA oder Visum in die USA einreisen. Arbeiten dürfen sie hier ohne Green Card nicht. Wer länger bleiben will, muss sich je nach Aufenthaltszweck eines der zahlreichen Visa besorgen. Wichtig: In den USA ist es für alle Ausländer Pflicht (INA), den eigenen Aufenthaltsstatus jederzeit nachweisen zu können. Eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, gilt als schwierig. Menschen aus einigen Staaten wird die Einreise generell verweigert. 

Aufenthaltsgenehmigung Australien: Australien betreibt eine strenge Einwanderungspolitik. Wer eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung anstrebt, braucht einen Job im Land oder zumindest eine Qualifikation, die gute Aussichten auf einen Job eröffnet. In einigen Regionen des Landes werden Fachkräfte gesucht. Hier ist es mit den passenden Skills einfacher, dauerhaft Fuß zu fassen.   

Aufenthaltsgenehmigung Türkei: Bis zu 90 Tage ist für Ausländer der Aufenthalt mit einem Visum oder einer Visumsbefreiung möglich, danach ist eine Aufenthaltsgenehmigung erforderlich. Diese kann bereits bei den türkischen Vertretungen im Heimatland beantragt werden.

Aufenthaltsgenehmigung Rumänien: Der visumsfreie Aufenthalt ist auf drei Monate beschränkt, danach bedarf es einer Aufenthaltserlaubnis. Wer einen Job hat oder in Rumänien studiert, muss nicht lange warten: Die Erlaubnis kommt in der Regel taggleich mit dem Einreichen der Unterlagen.

Aufenthaltsbewilligung Schweiz: Die Aufenthaltsbewilligung bei unseren Schweizer Nachbarn ist ganz ähnlich wie in Deutschland geregelt: Immer wenn es über einen Zeitrahmen von drei Monaten hinausgeht, beginnt der Papierkrieg. Eine Niederlassungsbewilligung ist meist erst nach fünf Jahren Aufenthalt möglich – und setzt einen guten Job oder Vermögen voraus. Selbst die Niederlassungsbewilligung muss alle fünf Jahre erneuert werden. Wer in die Schweiz umsiedeln will, sollte sich mit dem Staatssekretariat für Migration in Verbindung setzen.    

Schild bei der Einreise nach Deutschland

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