Arbeitskleidung: An diese Kleidervorgaben des Arbeitgebers sollten Sie sich halten

Samstag, 19.08.2017

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, sich nach seinen persönlichen Vorstellungen zu kleiden. Das geht aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht hervor. Stehen begründete Interessen des Arbeitgebers dagegen, genießen diese jedoch Vorrang.

Ein Bankangestellter in Shorts und T-Shirt ist schwer vorstellbar, ebenso eine Lehrkraft im Bikini oder ein Schweißer im Anzug. Der Grund: In diesen und vielen weiteren Berufen herrscht eine bestimmte Kleiderordnung. Entweder geht es um den Schutz oder um die Außenwirkung. In manchen Branchen ist zudem eine bestimmte Dienstkleidung Pflicht.

Schutzfunktion

Besteht für den Arbeitnehmer in Ausübung seiner Tätigkeit eine Gefahr, kann er im eigenen Interesse zum Tragen von Schutzkleidung verpflichtet werden. Der Arbeitgeber muss diese Kleidung zur Verfügung stellen oder zumindest für die Kosten aufkommen. Als potentielle Gefahren gelten zum Beispiel starke Hitze oder Kälte, Rauch, Chemikalien oder elektrische Schläge.

Schutz-Kleidung kann aber auch erforderlich sein, um Dritte vor Schäden zu bewahren. So ist der operierende Arzt aus Hygienegründen zu einer bestimmten Berufsbekleidung verpflichtet, ebenso Arbeitnehmer, die im Job mit Lebensmitteln umgehen.

Dienstkleidung

In bestimmten Berufen ist Dienstkleidung Vorschrift. Sie erfüllt die praktischen Erfordernisse, basiert aber auch auf der historischen Entwicklung. Häufig anzutreffen sind Kleidungsvorgaben im Dienstleistungsgewerbe, zum Beispiel beim Hotelpersonal, in medizinischen Berufen, in der Gastronomie, im Handwerk und im Transportwesen. So erkennt man das Personal von Fluggesellschaften zweifelsfrei an ihren Uniformen.

Weigert sich ein Angestellter, die vorgeschriebene Dienstkleidung zu tragen, führt dies letztlich zur Entlassung. Die Arbeitsgerichte bestätigen hier das überwiegende Interesse des Arbeitgebers. Außerdem sind die Vorschriften bereits bei der Bewerbung bekannt und im Arbeitsvertrag beziehungsweise in entsprechenden Betriebsvereinbarungen verankert.

Außenwirkung

Ein strittiges Feld sind Anordnungen zur Kleidung, die auf eine bestimmte Außenwirkung abzielen. So kann der Arbeitgeber von seinem Weisungsrecht (Direktionsrecht) Gebrauch machen und dem Bankangestellten das Tragen eines T-Shirts untersagen.

Bei Vorschriften dieser Art gibt es allerdings Grenzen, die oft vom Gericht gezogen werden. Hier wird geprüft, ob die Weisungen des Arbeitgebers den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit entsprechen. Führt die angeordnete Dienstkleidung zum Beispiel zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit oder wirkt sich nachteilig auf das Aussehen aus, werden die Richter den Kleidungszwang wahrscheinlich untersagen.

Wenn es in Ihrem Unternehmen einen Betriebsrat gibt, können Sie sich bei Fragen zur Kleidung an ihn wenden. Der Betriebsrat hat bei der Dienstkleidung auch ein Mitbestimmungsrecht. Bei Problemen mit der Kleidung im Büro geht es jedoch meist um „ungeschriebene Gesetze“. Hier ist der Rat eines Freundes oder einer Freundin oft noch wertvoller.

Junge Frau in einer Arztpraxis

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