Arbeitgeberinsolvenz: Was kann ich als Arbeitnehmer tun?

Montag, 13.11.2017

Geht der Arbeitgeber in die Pleite, sind viele Arbeitsplätze in Gefahr. Die Insolvenz selbst stellt jedoch keinen Kündigungsgrund dar. Der eigene Arbeitsvertrag läuft zunächst ohne Einschränkungen weiter. Alle Rechte und Pflichten bleiben entsprechend erhalten.

Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, wird dieser über die wirtschaftliche Situation informiert. Hier erhalten Sie eventuell genauere Angaben über die Zukunftsaussichten. Auch der Insolvenzverwalter wird nach Sichtung der Lage detailliert Rechenschaft ablegen.

Das sollten Sie bei einer Insolvenz (nicht) tun

Oft kommt die Insolvenz nicht überraschend. Die Phase im Vorfeld ist bereits von finanziellen Engpässen geprägt, was auch zu Teilauszahlungen beim Lohn führen kann. Prüfen Sie Ihre Abrechnungen daher genau und machen Sie offene Forderungen sofort, schriftlich und mit Nachweis beim Arbeitgeber geltend, damit sie nicht verfallen.

Schlägt der Arbeitgeber einen Lohnverzicht oder eine Lohnstundung im Sinne des Firmenerhalts vor, ist Skepsis geboten. Meist lässt sich für Sie als Arbeitnehmer kaum einschätzen, wie viel ein solcher Verzicht tatsächlich bewirkt. Die Statistik spricht aber ganz bestimmt gegen eine großzügige Beteiligung an derlei Rettungsversuchen.  

Lassen Sie sich dennoch auf einen Deal ein, bestehen Sie auf Sicherheiten. Eventuell ist ja bei der Hardware etwas dabei, das mögliche Verluste später kompensieren kann.

Im Falle der Kündigung

Wird Ihnen aufgrund von Zahlungsproblemen schon vor dem Insolvenzantrag gekündigt, sollten Sie dagegen klagen. Noch ist die Zukunft des Unternehmens schließlich offen und eine Übernahme möglich, was Ihre Weiterbeschäftigung einschließen kann.

Bei einer Kündigung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens sollten Sie prüfen, ob alle gesetzlichen Regelungen eingehalten wurden. So besteht zum Beispiel weiterhin der Schutz vor Kündigung für die Zeit des Mutterschutzes und für Schwerbehinderte.

Im Falle des Lohnausfalls

Trotz Insolvenzverfahren haben Arbeitnehmer Anspruch auf vollen Lohn und Urlaub. Kann das Unternehmen die Zahlung nicht leisten, springt der Staat bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit dem Insolvenzgeld ein (Vorstandsmitglieder ausgenommen). Es wird rückwirkend für drei Monate vor der Insolvenzeröffnung gezahlt. Den Antrag stellen Sie bei der Arbeitsagentur. Berechnungsgrundlage ist der Nettolohn nebst Zuschlägen.  

Sicherung weitergehender Ansprüche

Haben Sie ältere Forderungen, zum Beispiel aus Überstunden, machen Sie diese über den Eintrag in der Insolvenztabelle geltend. Den Versuch, die eigenen finanziellen Verluste zu minimieren, ist es in jedem Fall wert. 

Chef verzweifelt am Schreibtisch

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