Angestellte leisten 1,7 Milliarden Überstunden

Montag, 29.01.2018

Die Angestellten in Deutschland haben allein im Jahr 2016 rund 1,7 Milliarden Überstunden geleistet. Weit mehr als die Hälfte davon war unbezahlt. Das hat die Bundesregierung nach einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion mitgeteilt. 

Der Bild-Zeitung zufolge entspricht rechnerisch allein die unbezahlte Arbeitsleistung rund einer Million Vollzeitstellen, die so nicht geschaffen werden.

Zahl der Überstunden in der Kritik

Aus den Veröffentlichungen der Linksfraktion (Basis auch hier die Anfrage „Arbeitszeitvolumen im Deutschland“) geht zudem hervor, dass die Gesamtarbeitszeit in der deutschen Wirtschaft 2016 bei 59,3 Milliarden Arbeitsstunden lag. Die Überstunden machen damit fast drei Prozent des Gesamtvolumens.

Die Arbeitsmarkt-Expertin Jutta Kellmann von „Die Linke“ erklärte im Bundestag, die Erwerbsarbeit werde immer ungleicher verteilt. „Während die einen bis zum Umfallen schuften, müssen sich die anderen, unverhältnismäßig oft Frauen, mit Teilzeitstellen und Minijobs begnügen.“ Dieser Entwicklung, so Kellmann, „müssen wir einen Riegel vorschieben.“

Kellmann nimmt dabei auch Bezug auf die Entwicklung im Teilzeitbereich. Hier ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden zwischen 2000 und 2016 von 6,5 auf elf Milliarden Stunden gestiegen.

DGB sieht erhöhtes Unfallrisiko

Kritik an der Überstunden-Flut übt auch der DGB. Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach mahnt dringend Veränderungen an: "Überstunden auch in Verbindung mit Arbeitszeitkonten belasten die Beschäftigten, erhöhen die Unfallrisiken und verhindern Neueinstellungen.“ Die Überstunden zu reduzieren, so Buntenbach, habe „deswegen für die Gewerkschaften und die Betriebsräte hohe Priorität." Dass fast eine Milliarde Überstunden unbezahlt geleistet wurden, nennt Buntenbach „einen Skandal“. 

Mann müde am PC

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