Alkoholproblem am Arbeitsplatz: Richtiges Verhalten bei Alkoholikern

Samstag, 10.02.2018

Der Genuss von Alkohol besitzt in Deutschland eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Vielen gilt er als Kulturgut. Das führt dazu, dass Alkoholprobleme tabuisiert werden – auch bei Alkoholikern am Arbeitsplatz. Das jedoch ist gefährlich und hilft dem Betroffenen nicht. Was tun, wenn der Kollege trinkt?

Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass fünf Prozent aller Arbeitnehmer alkoholabhängig sind. In den Chefetagen liegen die Zahlen wahrscheinlich deutlich höher. Bei jedem fünften Arbeitsunfall spielt nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Alkoholeinfluss eine Rolle. Alkohol ist damit kein Randproblem, die meisten Arbeitnehmer werden im Laufe ihres Arbeitslebens im Kollegenkreis damit konfrontiert.

Was tun, wenn die Alkoholsucht des Kollegen offensichtlich wird?

Zitternde Hände, Unsicherheit, Alkoholgeruch, der Flachmann in der Jackentasche und eine hohe Fehl- und Fehlerquote – oft sind die Anzeichen für das Trinken während der Arbeit oder einen hohen Restalkoholgehalt am Morgen eindeutig. Akzeptieren sollten Sie dies nicht, weder im eigenen Interesse noch im Interesse des betroffenen Kollegen.

Experten raten dazu, das Gespräch zu suchen und den anderen direkt und mit konkreten Beispielen auf das Problem anzusprechen. Dabei sollten keine weiteren Personen zugegen sein und mit Vorwürfen sollten Sie sich ausdrücklich zurückhalten. Es geht um ein Hilfsangebot, dass gerade im ersten Gespräch nicht unbedingt auf Akzeptanz treffen muss.

Bessert sich die Situation nicht, versuchen Sie es erneut. Vermeiden Sie es, mit anderen über den „Problem-Kollegen“ zu reden. Ein fairer Umgang mit dem Betroffenen eröffnet die höchsten Chancen, dass er sein Verhalten überdenkt und sich wenn nötig behandelt lässt.

Sollte der Chef eingeweiht werden?

Den Chef von dem Problem in Kenntnis zu setzen, ist immer dann zwingend, wenn andere durch den Alkoholkonsum gefährdet werden. Wird im Job zum Beispiel mit Chemikalien hantiert oder arbeitet der Kollege als Fahrer, muss der Chef informiert werden.

In Berufen, in denen keine direkte Gefährdung besteht, können Sie situativ entscheiden. Ist der Alkoholkonsum glaubhaft die Ausnahme, kann das direkte Gespräch durchaus genügen.

Welche Maßnahmen sollte der Chef treffen?

Der Chef hat eine Fürsorgepflicht. Bei starkem Alkoholgenuss eines Angestellten ist er sofort zum Handeln gezwungen und muss den Betrunkenen freistellen (und nach Hause oder zum Arzt bringen lassen). Macht er dies nicht, drohen ihm strafrechtliche Konsequenzen. Hinzu kommt: Bei einem Arbeitsunfall mit alkoholbedingtem Leistungsausfall zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Der Chef kann hier persönlich in die Pflicht genommen werden.

Bei einem niedrigen Grad der Alkoholisierung gilt auch für den Chef: Er sollte im Vieraugen-Gespräch deutlich machen, dass er keinen Alkoholkonsum bei der Arbeit toleriert – und dem Betroffenen dann die Chance einräumen, sich in Zukunft klüger zu verhalten.

Mann mit Flachmann im Büro

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