Advopedia Basiswissen: Zugewinn

Dienstag, 27.03.2018

Die meisten Ehepaare in Deutschland leben in einer Zugewinngemeinschaft, aus einem einfachen Grund: Wer ohne notariellen Ehevertrag heiratet, tritt automatisch in diesen Güterstand ein. Das bedeutet, dass im Falle der Scheidung ein Zugewinnausgleich erfolgen kann, der Zugewinn aus Ehezeiten also zwischen den Ex-Partnern aufgeteilt wird. 

Der Zugewinnausgleich ist nicht verpflichtend, wird also vom Familiengericht nur auf Antrag vorgenommen. Da dafür zunächst das Ehe-Anfangs- und Endvermögen beider Partner berechnet werden muss, ist das Verfahren zeit- und kostenaufwändig. Wer sich ohne Gerichtsbeschluss einigen kann, spart daher Geld. In vielen Fällen entfällt der Zugewinnausgleich ohnehin, zum Beispiel wenn der Zuwachs maßgeblich in einer Immobilie besteht, die ohnehin beiden Partnern gehört. Der Zugewinn wäre damit identisch.   

Beim Zugewinn geht es immer nur um den Vermögenszuwachs, der während der Ehe erworben wurde, also nicht um das Gesamtvermögen. Wie die Berechnung des Zugewinns und damit des fälligen Zugewinnausgleichs erfolgt, soll im Folgenden erläutert werden.

Berechnung des Zugewinns

Beim Zugewinnausgleich wird verglichen, welcher der Partner während der Ehe einen höheren Zugewinn erwirtschaftet hat. Die Hälfte dieses Überschusses tritt er an den anderen ab, womit ein ausgeglichenes und damit gerechtes Verhältnis erzielt wird.

Nehmen wir an, die Ehefrau hat ein Vermögen von 100.000 Euro in die Ehe eingebracht, der Ehemann von 10.000 Euro. In den Ehejahren ist das Vermögen der Frau auf 120.000 Euro angewachsen, das des Ehemanns auf 100.000 Euro. Das Vermögen wird dabei jeweils aus Aktiva und Passiva berechnet. Das heißt, alle Verbindlichkeiten werden in Abzug gebracht, um den eigentlichen Vermögenswert zu berechnen. Theoretisch ist es dabei auch möglich, aufgrund von Schulden zum Beispiel einen negativen Ausgangswert zu haben.

Um den Kaufkraftverlust zu berücksichtigen, werden die Anfangs- und Endwerte nun mit dem Verbraucherpreisindex des Hochzeits- und Scheidungsjahrs ins Verhältnis gesetzt. Dieser Index ist veröffentlicht, also leicht zu ermitteln.

Achtung: Ermittelt wird das Endvermögen bei Zustellung des Scheidungsantrags. Wer Einfluss nehmen will, muss dies also vor der Zustellung des Antrags tun.

Nehmen wir an, Hochzeit wurde 2010 gefeiert. In diesem Jahr lag der Preisindex bei 100. Bei der Scheidung 2015 lag der Index bei 106,9, womit sich folgende Rechnung ergibt:

  • Ehefrau Anfangsvermögen:  100.000 x 106,9/100,0 = 106.900 Euro
  • Ehemann Anfangsvermögen:  10.000 x 106,9/100,0 = 10.690 Euro
  • Ehefrau Zugewinn:  120.000 - 106.900 = 13.100 Euro
  • Ehemann Zugewinn:  100.000 - 10.690 = 89.310 Euro

Der Zugewinn des Ehemanns ist also in unserem Beispiel um 76.210 Euro höher. Die Hälfte dieses Betrages steht der Ehefrau als Zugewinnausgleich zu. Sie erhält somit 38.105 Euro.

Was zählt zum Endvermögen?

Die Quelle des in der Ehe erworbenen Vermögens spielt keine Rolle, Erbschaften, Schenkungen oder der große Lottogewinn fließen somit ein. Hat einer der Partner nachweislich Vermögen im großen Stil verschwendet, kann der verschwendete Betrag dem Vermögen zugerechnet werden. 

Älteres Paar vor ihrem Haus

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