Advopedia Basiswissen: Wie funktioniert Geldwäsche?

Donnerstag, 22.02.2018

Das Ziel von Geldwäsche ist, illegal erworbene Gelder in den offiziellen Finanzkreislauf zu bringen. Die Herkunft der Mittel soll dabei im Dunkeln bleiben. Das Geld kann zum Beispiel aus Drogengeschäften oder Bestechung stammen, die Möglichkeiten sind da ebenso vielfältig wie die Varianten der Geldwäsche.

Welche Geldbeträge jährlich in Deutschland „gewaschen“ werden, kann nur geschätzt werden. Eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (2016) geht von rund 100 Milliarden Euro aus. Bei dieser Größenordnung ist leicht vorstellbar, dass Geldwäsche mit Fantasie und professionellem Knowhow betrieben wird.

So funktioniert Geldwäsche

Das Prinzip ist immer gleich, das genaue Vorgehen hängt jedoch an der Größenordnung des zu waschenden Geldes. So kann der Fensterputzer, der sich bei der Schwarzarbeit ein paar Hundert Euro im Monat nebenbei verdient, das Geld leicht in bar wieder ins Spiel bringen. Er finanziert damit einfach seine Geliebte und die Restaurantbesuche, auffallen wird das nicht.

Geht es um viele Millionen wie beim legendären US-Gangster Al Capone, funktioniert das so nicht mehr. Capone selbst investierte daher in Waschsalons („Geldwäsche“), um hier aus „schmutzigem Geld“ einen legalen, versteuerten Gewinn, also „sauberes Geld“ zu machen.

Geldwäsche am praktischen Beispiel

Nehmen wir an, Sie beziehen monatlich 30.000 Euro aus illegaler Prostitution. Auf Dauer werden die Geldstapel im Wäscheschrank damit höher und es ist kaum noch möglich, die Bündel unauffällig zur Bank zu bringen. Hier wäre man nämlich per Gesetz gezwungen, die Behörden zu informieren.

Da ein großer Casino-Gewinn pro Monat ebenfalls nicht glaubhaft wirkt, mieten Sie sich die Kneipe an der Ecke, deren Geschäft sich auf wenige Biertrinker zu später Stunde beschränkt. Das Wichtige: Es gibt legale Einnahmen. Diese stocken Sie mit Ihrem illegalen Geld auf, melden also einen Umsatz von 35.000 Euro statt der realen 5.000 Euro. Schon haben Sie das Geld aus dem Wäscheschrank als legalen Gewinn auf der Bank.

Das funktioniert, hat aber zwei Nachteile: Zum einen könnte es nach einer Weile auffallen, dass Sie mehr Bier auf dem Papier verkaufen als Sie tatsächlich einkaufen. Zum anderen, aber das ist nur bedingt zu verhindern, zahlen Sie auf Ihre 30.000 Euro nun volle Steuern.

Da man bei Bier leicht die eingekaufte mit der verkauften Menge vergleichen kann, sind der Geldwäsche auch hier Grenzen gesetzt. Viele Eckkneipen können dennoch ein wichtiger Baustein im Geldwäsche-Geschäft sein, vielleicht aber nicht der einzige. Kompliziertere Konstrukte sind gefragt: Nehmen wir zum Beispiel an, Sie verkaufen über ein internationales Firmengeflecht (mit Eignern, die ähnlich gelagerte Interessen haben) Beratungsdienstleistungen. Die lassen sich nicht in Hektolitern messen und der Preis kann frei verhandelt werden. Der Fiskus steht in diesem Fall vor vielen Problemen, die Geschäftswege nachzuvollziehen. Der Nachweis der Geldwäsche ist daher schwer zu erbringen.

Geldscheine auf der Wäscheleine

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