Advopedia Basiswissen: Jedermannsrecht

Donnerstag, 15.02.2018

In Deutschland ist „jedermann“ berechtigt, einen Täter, der auf frischer Tat ertappt wird, vorläufig in Gewahrsam zu nehmen. Das regelt das Jedermannsrecht in § 127 Strafprozessordnung „Vorläufige Festnahme“. Einer richterlichen Anordnung bedarf es nicht, es müssen jedoch weitere Bedingungen erfüllt sein.

Das Jedermannsrecht kann auch von Minderjährigen ausgeübt werden.

Wann kommt das Jedermannsrecht zur Anwendung?

Wichtigste Voraussetzung ist das Ertappen des Täters auf frischer Tat. Der Täter muss somit am Tatort oder auf der direkten Flucht vom Tatort festgenommen werden. Dabei geht es nicht allein um einen dringenden Tatverdacht, sondern um die zweifelsfreie Beobachtung des Tatgeschehens. Kommt es irrtümlich zu einer Festnahme, kann der Handelnde dafür wegen Nötigung oder gegebenenfalls wegen Körperverletzung zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Festnahme nach Jedermannsrecht ist zudem nur statthaft, wenn:

  • Fluchtgefahr besteht
  • die Identität des Täters nicht bekannt ist und dieser Angaben dazu verweigert
  • der Täter zwar bekannt ist, sich der Strafverfolgung jedoch offensichtlich entziehen will 

Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit

Auch unter Berufung auf das Jedermannsrecht ist es untersagt, einen Täter durch übermäßige Gewaltanwendung zu verletzen oder anderweitig zu schädigen. Die vorläufige Festnahme darf also keineswegs mit allen Mitteln erfolgen. So wäre die Verhältnismäßigkeit zum Beispiel verletzt, wenn ein Ladendieb nur mit einem gezielten Messerwurf zu stoppen wäre.

Wird der Täter selbst gewalttätig, ist dem Festnehmenden die Gewaltanwendung in Notwehr jedoch erlaubt. Es liegt keine rechtswidrige Handlung vor, selbst wenn der Täter dabei körperlich zu Schaden kommt. Im Umkehrschluss heißt das auch: Lässt sich ein Täter widerstandslos festnehmen, darf in Ausübung des Jedermannsrechts keine Gewalt angewendet werden. 

Die Verwendung des Begriffs in anderen Ländern

Der Begriff „Jedermannsrecht“ wird vor allem in Skandinavien, Schottland und in der Schweiz in anderem Zusammenhang verwendet. Hier bezieht er sich auf das meist traditionell verankerte Gewohnheitsrecht des Einzelnen, sich frei auf unkultiviertem Land zu bewegen. Gesetzlich festgeschrieben ist dieses Recht oft nicht oder nur in seinen Grenzen. 

Flüchtender Täter

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