Advopedia Basiswissen: Erbschaftssteuer

Dienstag, 27.02.2018

Wer erbt, ist in Deutschland zur Zahlung einer Erbschaftssteuer verpflichtet. Sie fällt an, wenn ein bestimmter Freibetrag überschritten wird. Je nach Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Erben wird in drei Steuerklassen unterschieden. Der Hausrat ist bis zu einer Höhe von 41.000 Euro von der Erbschaftssteuer befreit. 

Die genauen Regelungen zur Erbschaftssteuer finden sich im Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz, wobei Erbschafts- und Schenkungssteuer weitgehend identisch gehandhabt werden. Damit wird sichergestellt, dass eine Übergabe von Vermögenswerten noch zu Lebzeiten nicht steuerfrei erfolgen kann. Unter Beachtung bestimmter Fristen können mit einer Schenkung dennoch Steuern gespart werden.

Grundsätzlich versteuert der Erbe nur jenen Teil, den er auch erhält. Die Erbschaftssteuer berechnet sich also nicht nach der Gesamthöhe des Vermögens.   

Wonach richtet sich die Höhe der Steuern?

Je nach Verwandtschaftsgrad können Erben Freibeträge geltend machen. Am besten gestellt sind dabei Ehe- beziehungsweise Lebenspartner, am schlechtesten Erben, die nicht in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Erben standen. Hier eine Übersicht der Freibeträge:

  • Ehepartner, Lebenspartner: 500.000 Euro
  • Kinder, Enkelkinder (nur, wenn die Eltern verstorben sind): 400.000 Euro
  • Eltern, Großeltern: 200.000 Euro
  • Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder: 20.000 Euro
  • Geschiedene Ehepartner, aufgehobene Lebenspartnerschaften: 20.000 Euro
  • Nicht verwandte Erben: 20.000 Euro

Erst bei Überschreitung der Freibeträge fällt die Erbschaftssteuer an, wobei wiederum drei Steuersätze zu berücksichtigen sind. Diese richten sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis, nicht nach dem persönlichen Einkommen oder Familienstand. 

  • Ehepartner, Lebenspartner: Steuerklasse I
  • Kinder, Enkelkinder (nur, wenn die Eltern verstorben sind): Steuerklasse I
  • Eltern, Großeltern: Steuerklasse I
  • Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder: Steuerklasse II
  • Geschiedene Ehepartner, aufgehobene Lebenspartnerschaften: Steuerklasse II
  • Nicht verwandte Erben: Steuerklasse III

Der höchste Steuersatz (Steuerklasse III bei einem Erbe über sechs Millionen Euro) liegt bei 50 Prozent, der niedrigste (Steuerklasse I bis 75.000 Euro) bei sieben Prozent. Auch dazu im Folgenden eine kurze Übersicht:

Steuerklasse I

  • bis 75.000 Euro: 7%
  • bis 300.000 Euro: 11%
  • bis 600.000 Euro: 15%
  • bis sechs Millionen Euro: 19%
  • bis 13 Millionen Euro: 23%
  • bis 26 Millionen Euro: 27%
  • mehr als 26 Millionen Euro: 30%

  Steuerklasse II

  • bis 75.000 Euro: 15%
  • bis 300.000 Euro: 20%
  • bis 600.000 Euro: 25%
  • bis sechs Millionen Euro: 30%
  • bis 13 Millionen Euro: 35%
  • bis 26 Millionen Euro: 40%
  • mehr als 26 Millionen Euro: 43%

Steuerklasse III

  • bis sechs Millionen Euro: 30%
  • mehr als sechs Millionen Euro: 50%

Die Steuerbelastung im Erbfall lässt sich also berechnen, indem man den zutreffenden Freibetrag in Abzug bringt und anschließend den prozentualen Anteil ansetzt, der auf das persönliche Erbe in der jeweiligen Steuerklasse zutrifft.

Warum gibt es die Erbschaftssteuer?

Der Staat nimmt über die Erbschaftssteuer mehr als vier Milliarden Euro im Jahr ein. Eine weitere Milliarde kommt über die Schenkungssteuer hinzu (Werte 2015). Ein Verzicht wäre daher ein schmerzlicher Einschnitt. Zugleich wird (begrenzt) eine gerechtere Umverteilung großer Vermögen erreicht.

Oft geht der Fiskus leer aus

In den meisten Erbfällen muss keine Erbschaftssteuer entrichtet werden. Das liegt zum einen an den relativ hohen Freibeträgen, zum anderen an verschiedenen Sonderregelungen zu vererbten Gegenständen. So ist, wie eingangs erwähnt, keine Erbschaftssteuer auf den Hausrat zu entrichten, so dieser unter einem Wert von 41.000 Euro bleibt (in Steuerklasse I, sonst liegt die Grenze bei 12.000 Euro).

Auch für Immobilien – die sonst gemäß Verkehrswert über dem Freibetrag versteuert werden müssen – gibt es Ausnahmeregelungen. Die wichtigste: Das von der Familie bewohnte Haus (oder die Wohnung) kann steuerfrei an den Ehe- oder Lebenspartner sowie die Kinder vererbt werden. Bei Kindern ist die Steuerbefreiung auf eine maximale Wohnfläche von 200 qm begrenzt, danach sind anteilige Steuerzahlungen zu leisten. Da weitere Einschränkungen bestehen (Zehnjahresfrist, letzter Wohnort des Erblassers etc.), sollte man sich hier im Erbfall genau kundig machen.

Symbolbild mit Testament

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