Advopedia Basiswissen: Ab wann ist man strafmündig?

Dienstag, 08.08.2017

Als strafmündig gilt, wer die Folgen seines Handelns richtig einschätzen kann. In Deutschland wird davon ausgegangen, dass dies ab einem Alter von 14 Jahren der Fall ist. Bis zum Erreichen der Volljährigkeit hat jedoch ein Richter die letzte Entscheidung.  

Ob eine Person strafmündig ist, hängt neben dem Alter an der geistigen und sittlichen Reife. So kann auch einem Erwachsenen die Strafmündigkeit abgesprochen werden. Meist geht dieser Entscheidung ein psychiatrisches Gutachten voraus. Wer nicht strafmündig ist, ist auch nicht schuldfähig  Kinder unter 14 Jahren gelten per Gesetz als schuldunfähig.

Gesetzgeber entscheidet über Zeitpunkt der Strafmündigkeit

Die Einschätzung, ab welchem Alter ein Mensch strafmündig ist, ist subjektiv. Zumindest gibt es eine zeitliche Spannbreite. Das zeigt sich unter anderem daran, dass es global keine einheitliche Regelung zur Strafmündigkeit gibt.

Auch in Deutschland wurden die Gesetze dazu immer wieder geändert. So galt die Strafmündigkeit ab 1871 schon für 12-Jährige. In der Weimarer Republik wurde das Mindestalter auf 14 angehoben. Die Nationalsozialisten setzten es zunächst um weitere zwei Jahre auf  16 Jahre hinauf, senkten es ab 1943 aber wieder auf 12 Jahre ab.

Seit Gründung der Bundesrepublik ist man mit 14 Jahren strafmündig (§19 StGB). Dieselbe Altersgrenze galt auch in der DDR. Gerade nach schweren Straftaten sehr junger Tätern wird immer wieder über eine Absenkung des Mindestalters für die Strafmündigkeit diskutiert.

Schuldfähig? Das Alter zählt

Kinder bis 14 Jahren sind also gemäß aktueller Rechtslage immer schuldunfähig. Bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren wird das Jugendgerichtsgesetz (JGG) angewendet. Dabei muss das Gericht die Strafmündigkeit zunächst bestätigen. Ist dieser Schritt vollzogen, sind die Jugendlichen gemäß § 3 JGG strafrechtlich für ihre Taten verantwortlich.

Bei Tätern zwischen 18 bis 21 Jahren haben die Richter die Möglichkeit, nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zu urteilen. Auch dafür wird die geistige und sittliche Reife zum Zeitpunkt der Tat beurteilt.

Jugendlicher Täter mit Messer, unscharf

Weitere Artikel

Kommentare