Adventskerze im Zimmer allein gelassen: Wer haftet für Brandschäden?

Donnerstag, 21.12.2017

Kerzen gehören zur Adventszeit. Sie verbreiten festliche Stimmung, bergen aber auch Gefahren. Rund 11.000 sogenannte „Adventsbrände“ mit einem Schaden von 25 Millionen Euro werden jedes Jahr registriert. Wie aber ist die Haftung bei solchen Brandschäden geregelt?

Der Schock sitzt meist tief, die festliche Stimmung ist verdorben – aber bei der Regulierung hilft die Versicherung. Zuständig ist die Hausrat- beziehungsweise Wohngebäudeversicherung, wobei die Hausratversicherung für Schäden an beweglichen Gütern aufkommt, die Gebäudeversicherung für Schäden am Haus selbst. Wird das Eigentum Dritter in Mitleidenschaft gezogen, kann zusätzlich die Haftpflichtversicherung gefragt sein.

Kann man auf dem Schaden sitzen bleiben?

Dass die Versicherung die Zahlung verweigert, ist ausgeschlossen, wenn nicht vorsätzlich gehandelt wurde oder die Brandursache einem Vorsatz gleichkommt. Es gibt allerdings Fälle, in denen der Versicherer die Zahlung aufgrund grober Fahrlässigkeit kürzt, wobei sich die Höhe des Abschlags nach dem Grad der Fahrlässigkeit richtet. Im Streitfall entscheiden die Gerichte.

Folgende Verstöße sehen Richter als grob fahrlässig an:

  • Trotz brennender Kerzen ist keine Aufsicht im Raum. Bei der richterlichen Entscheidung werden der Grund und die Dauer der Abwesenheit mit berücksichtigt.
  • Die brennenden Kerzen werden nur von Minderjährigen beaufsichtigt. Die richterliche Entscheidung wird hier immer auch im Zusammenhang mit dem Alter und der Reife des Kindes stehen.

Führt nicht grobe Fahrlässigkeit, sondern eine Verkettung ungünstiger Umstände zum Brand, zahlt die Versicherung den vollen Schaden. In „Grenzfällen“ wird vor Gericht häufig zugunsten des Geschädigten entschieden. Positive Urteile gab es unter anderem:

  • wenn die Anwesenden eingeschlafen waren
  • nur die Haustür für Gäste öffnen wollten oder
  • durch ein Spiel mit dem Kind abgelenkt waren

Auch spontaner Sex wurde vom OLG Düsseldorf schon als Grund akzeptiert (Az. 4 U 182/98), den Raum für einige Zeit verlassen zu haben. Denn, so die Richter, wer den körperlichen Reizen seiner Partnerin erliege, handele nicht grob fahrlässig.

Zimmerbrand

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