Lenßens Tipp: Einmal gekifft und der Führerschein ist weg?

Sonntag, 20.09.2015 Ingo Lenßen

„Neulich wurde ich in einer Verkehrskontrolle auf Drogen getestet. Dabei haben die Polizisten einen erhöhten THC-Gehalt in meinem Blut nachgewiesen, obwohl es schon zwei Tage her war, dass ich auf einer Party gekifft hatte. Und es war wirklich nur das eine Mal. Wegen „gelegentlichen Cannabiskonsums“ haben die mir aber dann trotzdem den Führerschein weggenommen. Das stimmt aber doch gar nicht. Es war ja nur ein Mal.“

Fakt ist: die Wirkung eines Joints hält ca. zwei bis vier Stunden an. Wer in diesem Zeitraum „zugekifft“ Auto fährt, macht sich strafbar und muss im Falle einer Kontrolle - wenn er das erste Mal dabei erwischt wird - mit einem Bußgeld in Höhe von 500 Euro, zwei Punkten in Flensburg und einem Fahrverbot von einem Monat rechnen. Das Geld steigert sich dann, je öfter Ihr erwischt werdet (ab dem dritten Mal 1.500 Euro!). Und hat man in seinem Rausch außerdem eine sogenannte „Gefährdung des Straßenverkehrs“ begangen (also z.B. einen Unfall gebaut), dann ist der Führerschein ganz weg, Ihr bekommt drei Punkte und müsst mit  einer Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe rechnen. Bei Fahranfänger verlängert sich außerdem beim einmaligen Begehen die Probezeit automatisch auf vier Jahre und Ihr habt ein Aufbauseminar zu besuchen, welches zwischen 250 Euro und 400 Euro kostet… Doch nun kommt die weitaus interessantere Frage: was passiert, wenn Euer Konsum schon einige Tage zurückliegt, und Ihr werdet dann beim Autofahren kontrolliert?

THC „erinnert“ sich

Nun kommt es stark darauf an, ob Ihr es nur einmal getan habt oder regelmäßig kifft. Denn auch hier ist Fakt: THC im Urin und Blut „erinnert“ sich an Euer Konsumverhalten! Das heißt, wenn Ihr tatsächlich nur einmal gekifft habt, dann ist der Stoff nach ca. 2 Tagen abgebaut. Wenn Ihr aber "geübt" seid in Eurer Freizeit immer wieder einen Joint geraucht habt, dann kann der gleiche Abbau bis zu 12 Wochen dauern - auch wenn Ihr in dieser ganzen Zeit kein einziges Mal mehr raucht!

„Fehlende Trennung von Konsum und Fahren“

Bis jetzt gibt es noch keine allgemeingültige „Cannabis-Promillegrenze“ für Autofahrer. Solltet Ihr jedoch mit einem Gehalt von über 1,0 Nanogramm pro Milliliter THC im Blut erwischt werden (und das habt Ihr schnell, wenn Ihr regelmäßige Raucher seid, selbst wenn Ihr seit Tagen nichts mehr genommen habt!), kann es schon sehr eng werden mit Eurem Führerschein und dem Gang zur MPU (Idiotentest)! Denn dann sagt der Staat, dass Ihr zwischen Konsum und Fahren nicht mehr trennen könnt und deshalb grundsätzlich fahruntüchtig seid - ob Ihr nun in dem Moment akut bekifft seid oder nicht!

Also: Finger weg von Cannabis, wenn Ihr auf’s Autofahren angewiesen seid - Ihr habt dann einfach im Zweifel erheblich weniger Ärger am Hals… 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OVG Münster Beschl. v. 18.2.2014,16 B 116/14

StVO

Jugendlicher mit Joint

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