Von skurril bis unzumutbar: Nicht alle Vornamen werden zugelassen

Samstag, 01.07.2017

Der Vorname begleitet uns durchs Leben. Er steht für Individualität und unterscheidet uns von allen andern. Aber bei der Auswahl ist Vorsicht geboten – ein Vorname kann auch zur Belastung werden. Von deutschen Ämtern werden immer mehr kreative Vornamens-Wünsche durchgewinkt, aber es gibt auch Ablehnungen.

In Deutschland ist die Vergabe von Vornamen nicht gesetzlich geregelt. Fest steht nur, dass jedes Baby vier Wochen nach der Geburt einen Vornamen haben muss. Der Rest liegt in den Händen der Eltern. Und das jeweilige Standesamt ist letztlich dafür zuständig, einen ausgefallenen, eigens kreierten oder ungewöhnlichen Vornamen zuzulassen oder abzulehnen.

Kindeswohl an erster Stelle

Alle Richtlinien zur Bestätigung oder Nicht-Bestätigung von Vornamen haben die Behörden zuerst das Kindeswohl im Blick. Es geht darum, einerseits die besondere Eigenständigkeit des Kindes zu unterstreichen, ihm andererseits aber keine Bürde aufzuerlegen. Sicher bleibt es eine Charakterfrage, wie der Sprössling später mit seinem speziellen Vornamen zurechtkommen wird. Um das Risiko einer Überforderung zu minimieren, werden jedoch von Amtswegen früh die Weichen gestellt.

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Faustregeln für Vornamen

Ein Vorname sollte stets als solcher erkennbar sein. Die eindeutige geschlechtliche Zuordnung ist nicht Pflicht, aber sie muss in zweifelhaften Fällen durch Hinzufügen eines zweiten Vornamens geklärt werden. Markennamen, gebräuchliche Familien-Nachnamen, Ortsnamen, Adelstitel wie Prinzessin oder Lord und von vornherein negativ konnotierte Namen wie Judas sind eigentlich nicht zulässig. Aber die Grenzen des Anerkannten werden immer durchlässiger. Längst sind Milka und Armani ebenso wie Fanta, Milano oder Gloria-Princess zugelassen worden.

Im Zweifel helfen Fachleute

Um nach der Geburt eines Kindes – wenn sowieso alles anders ist – Stress zu vermeiden, empfiehlt sich schon vorab eine Beratung beim Standesamt. Haben Sie Zweifel, ob Ihr Lieblings-Vorname zugelassen wird, können Sie sich auch Hilfe bei der Gesellschaft für deutsche Sprache holen. Hier sitzen Fachleute, die auf die Prüfung der Zulässigkeit ungewöhnlicher Vornamen spezialisiert sind. 2016 wurden mehr als 600 Anfragen gestellt, etwa zehn Prozent mussten sich mit einer Ablehnung arrangieren. Darunter waren Vorschläge wie Husqvarna, Holunda und Ulme, Pims, Univers, Westend und Uwelia.

Eine weitere Anlaufstelle ist das Namenkundliche Zentrum der Universität Leipzig. Auch dort können Sie ein schriftliches Gutachten erstellen lassen, um es beim Standesamt vorzulegen.

Trendsetter und Abgelehnte

Individualität wird in allen Lebensbereichen, auch bei der Namensfindung, großgeschrieben. Von Jahr zu Jahr wächst die Chance, mit einer besonders kreativen Namens-Idee Erfolg zu haben. Dennoch: Vergessen Sie nicht, dass Ihr Kind mit dem Namen in Kita und Schule, vor Freunden und Kontrahenten bestehen muss.

Sie können Ihren Wunsch-Vornamen auch einklagen und einen Richter entscheiden lassen. Gerichtsurteile, auch aus der Vergangenheit, haben zwar keine Allgemeingültigkeit, wirken aber oft richtungsweisend. Und Hartnäckigkeit lohnt. So hat es eine Familie aus Niedersachsenn in dritter Instanz geschafft, für die Tochter den Namen Emma Tiger zu erstreiten. Den Ausschlag für das Oberlandesgericht Celle gab letztlich die Tochter des Schauspielers Til Schweiger. Weil das prominente Mädchen mit eben diesem Vornamen durchs Leben geht, sei von einer Akzeptanz auszugehen.

Vornamen, die als gebräuchliche Familien-Nachnamen bekannt sind, haben schlechte Karten. So wurden Schröder und Schopenhauer nicht akzeptiert. Anderson dagegen wurde bestätigt, weil es auch ein in Schweden häufiger Vorname ist.

Daumen runter gab es für Vorschläge wie Borussia und Rosenrot, Whisky, Loriot, Crazy Horse oder Kater. Aber Namen wie Christmas, Lunis, Blade und Miracle wurden 2016 zugelassen.

Maßhalten ist angesagt

Untersagt ist auch, einem Kind beliebig viele Vornamen mitgeben. Eine Mutter ist – trotz nachgeschobener Verfassungsbeschwerde – mit dem Versuch gescheitert, dem Sohn gleich zwölf Namen zu verpassen. Für das Oberlandesgericht Düsseldorf lag darin die Gefahr einer Überforderung des Kindes. Allein, sich Reihenfolge und Schreibweise der teils schwierigen Namen zu merken, sei problematisch. Zudem könne die Selbstidentifikation des Kindes angesichts des Überangebotes leiden. Immerhin, die ersten fünf Namen wurden zugelassen.

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