Warum die „schlimmste Tante der Welt“ ihren Neffen verklagen musste

Mittwoch, 21.10.2015 PK

Jennifer Connell und ihr Neffe Sean traten dieser Tage im amerikanischen Frühstücksfernsehen von NBC News auf. Und versicherten: Wir lieben uns und würden uns nie gegenseitig Schaden zufügen. Das hörte sich doch vorher ganz anders an: Die böse Tante hatte ihren Neffen verklagt, weil der sie bei einer etwas zu stürmischen Begrüßung umgerannt hatte. Doch was sind die Hintergründe für den jetzigen Sinneswandel?

Wir berichteten bereits über den Fall ( „Solche Verwandten braucht kein Mensch!“ ). Der zwingende Grund für die Klage liegt wohl im amerikanischen Versicherungsrecht, so wurde jetzt berichtet. Jennifer Connels Anwälte bestätigten, dass bei einer solchen Unfall-Verletzung (hier: gebrochenes Handgelenk) der Verursacher namentlich genannt und verklagt werden muss, bevor die Versicherung die Arztrechnungen übernimmt. Die Tante war demnach, wie sie im Fernsehen sagte, regelrecht gezwungen, den kleinen Sean zu verklagen. Von sich aus hätte die gute Tante so etwas angeblich nie getan. Und den Kleinen vor Gericht zu zerren, war ihr nach eigener Angabe auch ganz und gar unangenehm…

Gewaltige bleibende Schäden?

Lassen wir das mal so stehen. Und richten wir unser Augenmerk auf die 127.000 Dollar Schadensersatz, um die es in der Gerichtsverhandlung ging. Wenn diese Summe durch Arztrechnungen zusammen gekommen sein soll – woran in aller Welt wurde denn da sonst noch herumgedoktert, außer am gebrochenen Handgelenk? Denn eine Operation am Knochenbruch im Bereich des Unterarms kostet in US-Großstädten durchschnittlich knapp 17.000 Dollar. Kann es vielleicht sein, dass die Versicherung den Fall insgesamt in Zweifel zieht? Richter und Geschworene haben das offensichtlich getan: Sie wiesen die Klage ab, nachdem Tante Jennifer vorgetragen hatte, welche gewaltigen bleibenden Schäden sie davongetragen hat: So habe sie kürzlich auf einer Party ihren Vorspeisen-Teller nur mit Mühe halten können. Autsch!

Stimmt womöglich der ganze Fall nicht?

Für den Verdacht, dass hier womöglich die Versicherung beschummelt werden sollte, spricht eine Auffälligkeit, von der Prozessbeobachter berichten: Der inzwischen 12-jährige beklagte Sean wirkte vor Gericht nervös und verwirrt… Kann ja mal passieren, wenn man vergisst, was man eigentlich aussagen sollte (sorry: wollte)!

Richterin in den USA

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