Warum ein Amerikaner beweisen muss, dass es ihn gibt

Freitag, 09.10.2015 PK

Im August 2004 wurde der Mann in Richmond Hill, Georgia (USA) hinter einem Schnellrestaurant gefunden. Bewusstlos, nackt, blutend. Seine körperlichen Verletzungen sind inzwischen verheilt. Sein Erinnerungsvermögen allerdings hat der Mann in den letzten elf Jahren nicht zurückerlangt…

Seit diesen elf Jahren weiß der Mann nicht, wer er ist und wie er hinter das Burger-Restaurant gekommen war. Die Frau, die ihn fand, hielt ihn anfangs für tot. Doch „Burger-King-Doe“, wie er zunächst als unbekannte „Leiche“ von der Polizei genannt wurde, kam wieder zu sich – indes mit totaler Amnesie, also komplettem Gedächnisverlust. Als er im Krankenhaus aufwachte und in einen Spiegel sah, war er geschockt: Er konnte sich nicht einmal an sein eigenes Gesicht erinnern. Woher er kommt, wer er ist, wo seine Familie lebt – all das blieb seitdem ein Geheimnis.

Rein rechtlich gibt es Ihn gar nicht...

Und: niemand vermisste ihn. Um wenigstens einen Namen zu haben, nennt sich er sich seit damals Benjaman Kyle – ein selbst erdachter Name aus den Initialen von Burger King. Eine neue Identität ist das jedoch nicht! Kyle bekam und bekommt daher keine Sozialversicherungsnummer, kann ohne Papiere nicht einmal im Obdachlosenasyl übernachten, geschweige denn ein Bankkonto eröffnen. Und wenn Benjaman Kyle in Behörden Anträge stellen will, heißt es nur: „Sorry. Aber rein rechtlich gibt es Sie gar nicht!“

Du weißt nicht, wer ich bin... ich auch nicht

Das Problem: in Amerika bist du nicht existent ohne eine Sozialversicherungsnummer. Kyle, der schwarz als Küchenhilfe in einem Fischrestaurant jobbte, erzählte seine Story im Jahr 2012 dem Filmemacher John Wistrom für dessen Film „Finding Benjaman“, der seitdem im Internet kursiert. Der Streifen beginnt mit den Worten „Hallo, mein Name ist Benjaman Kyle. Du weißt nicht, wer ich bin. Und ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht.“

Seine Familie hat ihn nicht vermisst...

Aber auch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Doch dann kam zum Glück der Durchbruch: Der Mann, dessen beinahe einzige Erinnerung die an ein Glas Milch und an gegrillte Käse-Sandwiches ist, konnte kürzlich mit Hilfe eines DNA-Massentests immerhin einer Abstammungslinie zugeordnet werden. Und seit neuestem steht fest: Seine Familie konnte offenbar ausfindig gemacht werden, seine Identität wird in Kürze geklärt. Und eine Sozialversicherungskarte wird  er dann auch bekommen. Ein neues Leben kann damit beginnen – und Benjaman Kyle kann endlich beweisen, dass es ihn wirklich gibt. Seine Identität wird er aber erst verraten, wenn er mit seiner Familie gesprochen hat. Und die Sozialversicherungsnummer will er sich tätowieren lassen, falls er noch einmal verloren gehen sollte. Wir wünschen Kyle - oder wie immer er auch heißen mag -  alles Gute und Glück für sein neues, altes Leben.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verschollenheitsgesetz

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