Täuschung bei der Führerscheinprüfung: Da muss man sich über Unfälle nicht mehr wundern

Dienstag, 24.05.2016 PK

Kaum zu glauben: Mit versteckter Mini-Kamera, Ohrhörer und einem Smartphone kann man offensichtlich die theoretische Führerscheinprüfung bestehen, ohne  auch nur einen Hauch von Ahnung zu haben…

Die Masche ist zwar clever, aber auch extrem dreist. Und für betrügerische Banden ein lukratives Geschäft! So wurde erst kürzlich solch ein Schummel-Kandidat in Passau auf frischer Tat erwischt: Er bekam über sein Smartphone die Hinweise gesendet, wo er im digitalen Prüfungsbogen die richtigen Kreuze setzen sollte. Eine Sprachverbindung mit seinem „Vorsager“ war nicht erforderlich: Denn eine Mini-Kamera sendete das Bild, das der Prüfling auf seinem PC-Bildschirm sah, an den Hinweisgeber.

Keine Ahnung, trotzdem null Fehler

Bundesweit häufen sich derartige Fälle. Und es sind nicht etwa einzelne Kumpels, die da einem befreundeten Wackelkandidaten zum Führerschein verhelfen, sondern - nach Ansicht vieler Fahrlehrer - zu 90 Prozent professionelle Banden. Die unsicheren Prüflinge müssen für die Hilfestellung übrigens ganz ordentlich berappen. Ein Fall ist bekannt, in dem 1.300 Euro den Besitzer wechselten – und die Prüfung wie durch Zauberhand mit null Fehlerpunkten bestanden wurde, obwohl der Kandidat keine Sekunde dafür gelernt hatte.

Lauter trübe Tassen am Steuer

Warum man den durchaus nicht schwierigen Stoff nicht einfach auswendig lernt, erschließt sich nicht immer. Der häufigste Grund für solche Tricksereien könnten Sprachschwierigkeiten sein. Aber ebenso kommt privater Druck in Frage. Doch es bleibt eine gruselige Vorstellung, wie viele solcher Schummel-Aspiranten Autos über unsere  Straßen bewegen, obwohl sie nicht eine einzige(!) Verkehrsregel beherrschen. Vermeiden lassen sich solch erschlichene Prüfungen aber wohl kaum.

Wenn einer mogelt, verlieren alle

Dummerweise betrifft es nicht nur den Schummler, wenn seine Machenschaften während der Prüfung auffliegen. Sondern es betrifft alle Kandidaten, die gleichzeitig im Raum sitzen: Im Falle einer Mogelei wird nämlich die gesamte Prüfung abgebrochen. Die ehrlichen Prüflinge müssen dann - wenn auch kostenlos - den Test wiederholen. 

Und bestraft wird so etwas nicht

Bleibt die juristische Bewertung, die leider nicht zufriedenstellend ausfällt: Hat die Prüfungsaufsicht den Betrugsversuch entdeckt, haben weder der schummelnde Prüfling noch seine Helfer drakonische Strafen zu befürchten. Es handelt sich dabei nämlich nicht um eine gesetzlich festgeschriebene Straftat. Das bestätigt eine Sprecherin der Passauer Staatsanwaltschaft: „Nach dem Gesetz liegt ein Betrug nur dann vor, wenn der Getäuschte infolge der Täuschung eine Vermögensverfügung zu Gunsten des Täuschenden vornimmt. Diese Merkmale sind hier nicht gegeben.“ Mal sehen, wie die Gerichte reagieren, wenn durch solche Schummler die ersten Menschen auf den Straßen ihr Leben verlieren…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Betrug § 263 StGB, Arglistige Täuschung  § 123 BGB

Jugendlicher mit Führerschein

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