Justizirrtümer: Unschuldig hinter Gittern

Mittwoch, 29.10.2014 PK

Susan Mellen wurde 1997 aufgrund einer falschen Zeugenaussage zu lebenslanger Haft verurteilt. Tatvorwurf: Mord. Ein schwerer Fehler der Justiz, wie sich jetzt erst herausstellte. Und leider kein Einzelfall, wie unsere Beispiele zeigen:

Wenn Zeugen lügen

Eine Zeugin hatte damals behauptet, Mellen habe ihr vom Mord an einem Obdachlosen erzählt. Ohne weitere Beweise wurde die dreifache Mutter deshalb in einem Indizienprozess für schuldig befunden. Inzwischen räumt der Richter ein, bei der Zeugin habe es sich um eine notorische Lügnerin gehandelt. Belangen kann sie aber niemand mehr – sie ist verstorben. Richter Mark Arnold hob den Schuldspruch jetzt auf. Nach 17 Jahren Gefängnis und mit inzwischen 59 Jahren kam Susan Mellen dieser Tage auf freien Fuß. Ihr erster Kontakt: Sie konnte ihren Enkel auf den Arm nehmen – sie hatte den Jungen vorher noch nie gesehen.

Das passiert auch in Deutschland

Der Fall Monika de Montgazon erregte ebenfalls bundesweit Aufsehen: Wegen Mordes saß sie 888 Tage unschuldig in Haft – 2005 bekam sie lebenslänglich, weil sie angeblich ihr Haus angezündet und so ihren Vater umgebracht haben soll. Zwar hob der Bundesgerichtshof das Urteil in der Revision auf, und die Frau wurde im März 2006 aus der Haft entlassen. Endgültig freigesprochen aber wurde sie erst 2008.

Wenn Geständnisse erpresst werden 

Was ein Falschgeständnis anrichtet, zeigt der Fall Rudolf Rupp. Der Landwirt aus Oberbayern war im Herbst 2001 verschwunden. Seine Frau und seine Töchter gestanden, Rupp getötet, die Leiche zerstückelt und an die Hunde verfüttert zu haben. Das Urteil: Zwischen zwei und sechs Jahren Haft.

Doch vier Jahre später wird die Leiche des Landwirtes gefunden. Unversehrt. Gewalteinwirkung? Ausgeschlossen! Ein Polizeivideo belegt später, dass keiner der „Geständigen“ sich überhaupt im Klaren darüber war, was er da sagte. Alle drei Frauen gelten als minderbegabt. Trotz Freispruch soll aber keiner von ihnen eine Entschädigung erhalten. Selbst schuld, heißt es. 

Die Justiz zerstört Leben

Während aber ein Haftentlassener nach verbüßter Strafe alle erdenklichen Hilfen von Behörden erhält (Job- und Wohnungssuche etc.), bekommen die Opfer der Justiz keine Hilfe. Ihnen steht lediglich eine Haftentschädigung von 25.- € pro Tag zu, von denen aber noch ein Verpflegungssatz abgezogen wird…

Stacheldrahtzaun, Zaun, Barriere, Absprerrung

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