Fastfood für Kannibalen?

Donnerstag, 18.02.2016 PK

Erinnern Sie sich an den Film „2022 – die überleben wollen“ mit Charlton Heston? Darin ging es um ein künstliches Nahrungsmittel namens „Soylent green“. Und das wurde aus menschlichen Leichen hergestellt...

Der Gedanke ist nicht gerade appetitanregend – dennoch plant der Amerikaner Rob Rhinehart, uns mit einem Nährstoff-Konzentrat zu erfreuen, das normales Essen überflüssig macht. Wie der Bursche auf den Namen für sein Produkt gekommen ist, wissen wir nicht. Aber wahrscheinlich hätte er sich anders entschieden, wenn er den Film mit Charlton Heston gesehen hätte: Der neue Nährschleim in Flaschen heißt nämlich auch „Soylent“. Wir fragen lieber nicht, woraus er gemacht wird.

Egal, wonach es schmeckt

Doch die schauerliche Erinnerung an den Science-Fiction-Film ist nicht der einzige Grund, auf die Hightec-Nahrung zu verzichten: Der Erfinder Rob Rhinehart will uns nämlich weismachen, dass wir uns künftig ohne Genuss ernähren sollen: Einfach schlucken, egal wonach es schmeckt, und der menschliche Körper funktioniert damit.

Kannibalismus ist übrigens nicht strafbar

Apropos: menschlicher Körper – uns quält (keine Sorge: nur in der Theorie!) die Frage, ob man den überhaupt essen dürfte. Da hat es doch schon mal einen Fall in Rotenburg an der Fulda gegeben:  Dem damals 40-jährigen Armin Meiwes wurde vorgeworfen, im Jahr 2001 den 43-jährigen Diplom-Ingenieur Bernd Brandes umgebracht und dann Teile seines Leichnams verspeist zu haben. Verurteilt wurde der Kannibale von Rotenburg aber nur wegen Totschlags: achteinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das Essen des Menschenfleisches fiel bei der Strafbemessung überhaupt nicht ins Gewicht. Denn – merkwürdig, aber wahr – gegen Kannibalen hat unser Gesetz nichts.

Neubewertung durch den BGH

Am 22. April 2005 allerdings hob der Bundesgerichtshof das Urteil wegen Totschlags wieder auf, weil es sich hier ganz klar um einen Mord handelte. Die 21. Strafkammer des Schwurgerichts (Landgericht Frankfurt/M.) verurteilte Meiwes daraufhin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Und zwar wegen Mordes und Störung der Totenruhe, die das Verzehren einer Leiche nach Auffassung des Gerichtes darstellte. Das Urteil wurde später vom Bundesgerichtshof bestätigt, eine hiergegen gerichtete Verfassungsbeschwerde wurde 2008 zurückgewiesen. Der Kannibale von Rotenburg kommt frühestens 2017 wieder frei. Vielleicht guckt er ja unterdessen im Knast den alten Charlton-Heston-Schinken. Und wenn er wieder draußen ist, probiert er als erstes Soylent – die Einbildung, es könnte aus echtem „Bio-Mensch“ sein, ist zumindest nicht strafbar…

Übrigens: Ein weiterer, ähnlich gelagerter Fall, der sich in Sachsen zugetragen hat, wird am 6. April 2016 vor dem Bundesgerichtshof verhandelt. Wir werden berichten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BGH – 5 StR 504/15

Mord § 211 StGB

Störung der Totenruhe § 168 StGB

Rib Bones Barbecue

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