Sie sprengen und entschärfen nach Tarifvertrag…

Donnerstag, 16.04.2015 BJ

Ein Großteil der deutschen Arbeitsverträge unterliegt keinem Tarifvertrag. Anders bei den Mitarbeitern des Kampfmittelräumdienstes Niedersachsen: Ihre Tarifbindung sieht nämlich einen zusätzlichen Bonus in Form einer Sonderprämie in Höhe von 567,53 Euro für die „Entschärfung“ von Bomben mit Langzeitzündung vor…

Nachdem Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes insgesamt 104 Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt hatten, warteten sie jedoch vergeblich auf die Auszahlung dieser Sonderprämie. Der Grund: Die Bomben seien „gesprengt“ und eben nicht „entschärft“ worden. 

Sprengung oder Entschärfung?

Daraufhin klagte ein Mitarbeiter bis zum Bundesarbeitsgericht. Denn seiner Meinung nach sei das Ergebnis doch letztlich das Gleiche, das gefährliche Material sei unschädlich gemacht worden. Dennoch hielt das Gericht am Wortlaut „Entschärfung“ fest und lehnte die Zahlung der geforderten Sonderprämie in Höhe von insgesamt fast 60.000 Euro ab. Stattdessen darf der Mann nun aber auf eine andere zusätzliche Bezahlung hoffen: Da er am Transport von Bomben mit gefährlichen Zündsystemen beteiligt gewesen war steht ihm laut Tarifvertrag ebenso eine Sonderprämie für „Transporte mit gefährlichen Zündsystemen“ zu… Es lebe unsere wohlformulierte deutsche Gründlichkeit. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht Urt. v. 16.07.2014, Az. 10 AZR 698/13

Bombenentschärfung

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