Was der Zoll in die Tonne tritt

Mittwoch, 14.01.2015 PK

Völlig absurd: Der chinesische Smartphone-Hersteller JiaYu warnt Kunden davor, nachgemachte Handys zu kaufen. Das klingt zunächst nach einem durchaus berechtigten Interesse. Leider aber lässt JiaYu dabei unerwähnt, dass er selbst einer der größten Nachahmer der Welt ist.

Die eigenen Smartphones des Herstellers JiaYu sind nämlich selbst nichts anderes als Plagiate. Schon seit Jahren baut die chinesische Firma Smartphones, die genau wie die iPhones von Apple aussehen. Und nun droht Ärger, denn ein anderer Hersteller kopiert wiederum diese Apple-Kopien. Das wollen sich die Manager von JiaYu aber nicht gefallen lassen.

Warnung vor dem eigenen Produkt

Daher warnt JiaYu weltweit davor, die Fake-Handys zu kaufen. Laut Mitteilung des Konzerns seien massenhaft Klone der JiaYu-Handys in Internetbörsen angeboten worden. „Kunden könnten sehr leicht getäuscht werden, die minderwertigen Produkte zu kaufen“, heißt es in der Warnung.

Wie schräg ist das denn? Die Modelle von JiaYu sehen auf den ersten Blick einem iPhone zum Verwechseln ähnlich – aber das scheint für die Macher völlig in Ordnung zu sein. Sogar die Typenbezeichnung haben die Chinesen von den amerikanischen Originalen geklaut.

Mechanische Bearbeitung beim Zoll

Der deutsche Zoll könnte den Streit der Nachmacher schnell schlichten. Mit einem Hammer zum Beispiel. Nein, nicht mit dem Auktionshammer, sondern mit dem Vorschlaghammer. So geschehen im Januar 2014 am Stuttgarter Flughafen: Dort wurden 250 Klone des Samsung Galaxy S4 gefunden und fanden kurz darauf den Weg in die Schrottverwertung.

Welcher Schaden durch Plagiate entsteht

Dass solche Kopien zwar beinahe echt aussehen, aber bei weitem nicht so gut funktionieren wie die Originale, bereitet den Original-Herstellern zunehmend Sorge. Nicht nur, dass sie aufgrund der Billig-Geräte weniger verkaufen können – die unzuverlässigen Nachahmer-Produkte sorgen wegen der Verwechslungsgefahr auch für einen immensen Image-Schaden. 

Wenn Kunden bewusst getäuscht werden

Trotz aller Bemühungen des Zolls, die Plagiate aus dem Verkehr zu ziehen, können die abgekupferten Smartphones nach wie vor in Deutschland gekauft werden, sogar auf großen Verkaufsplattformen wie z. B. Ebay.

Übrigens: Wenn man einen Markenartikel gekauft hat, dann hat man selbstverständlich Anspruch auf Lieferung eines Originalartikels. Der Händler kann sich nicht damit herausreden, er sei selbst auf eine Fälschung hereingefallen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LG Bochum: 12 O 12/09

§ 2 Abs. 2 UrhG (Schutz von persönlichen geistigen Schöpfungen)

Zerstörtes Smartphone

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