Bedrohung mit gezeichneter Pistole

Mittwoch, 02.12.2015 PK

Auf einem nur für wenige Freunde einsehbaren Facebook-Post schickte ein damals 14-jähriger Schüler das Bild einer aus Satzzeichen zusammengepixelten Pistole. Diese Satzzeichen  stellten sich aus dem Namen einer unbeliebten Lehrerin zusammen - was für ein Akt des Terrors! Das erfuhr dann auch die Lehrerin – und meldete sich prompt für mehrere Monate krank. Und der Schüler sollte nun für diese Zeit das Gehalt der Lehrerin erstatten…

Das Land Nordrhein-Westfalen forderte von dem inzwischen 18-Jährigen nicht weniger als 14.377 Euro – praktisch das Lehrer-Gehalt für  fünf Monate. Vorausgegangen war eben dieser private Post mit der gezeichneten Pistole, die der Junge im März 2012 an seine Facebook-Freunde geschickt hatte. Wie „bedrohlich“ so etwas aussieht, haben wir in unserer Zeichnung einmal selbst ausprobiert – echt gruselig, oder?

Schüler soll Lehrergehalt zahlen

Immerhin: Bei der Lehrerin, die bereits vorher psychisch instabil war, stellte ein Gutachter kurz darauf eine sogenannte „posttraumatische Belastungsstörung“ fest, die sie für fünf Monate außer Gefecht setzte. Den finanziellen Schaden, der dem Land NRW dadurch entstanden war, sollte der Junge nun ersetzen. Zum Glück ließ sich das aber schlussendlich doch nicht  - zumindest nicht in vollem Umfang - durchsetzen.

Unbeliebte Lehrer gab’s schon immer

Wie man sich durch eine stilisierte Waffe derart bedroht fühlen kann, wird sich vielen wohl nicht erschließen - uns übrigens auch nicht! Denn wohl jeder von uns erinnert sich, dass es in seiner Schulzeit auch lange vor Facebook schon kleine Zettelchen gab, auf denen mit Bleistift Galgen gekritzelt waren und der Name eines unliebsamen Lehrers daneben stand. Als Bedrohung hat das niemand aufgefasst, allenfalls als hirnrissigen Schülerstreich. Und wenn man dabei erwischt wurde, musste man halt ein Gedicht vom Format „Schillers Bürgschaft“ als Buße auswendig lernen oder sonst irgendetwas pädagogisch Sinnvolles erledigen, um später die Absolution zu erhalten.

Schüler erwarten, dass Lehrer gesund sind

Hier lief der Fall wohl allerdings vollends aus dem Ruder. Gut, dass die Richter das Vergehen des Schülers realistischer beurteilten: Der damals 14-jährige Schüler, der sich von der Lehrerin ungerecht behandelt gefühlt hatte, trägt nicht die volle Verantwortung dafür, dass eine Pädagogin aufgrund eines privaten Posts dienstunfähig wird. Zumal er gar nicht damit rechnen konnte, dass sie die Zeichnung überhaupt je zu Gesicht bekommen würde - andere Schüler hatten den Urheber der „bösen“ Zeichnung schlicht und einfach beim Schuldirektor verpetzt.

Anscheinend muss Strafe sein

Deshalb Ende gut, aber nicht alles gut: der Junge muss nämlich jetzt doch noch immerhin 1.000 Euro an das Land NRW zahlen – das ist das Ergebnis des Vergleichs, mit dem er sich einverstanden erklärte. „Ich hab’ Scheiße gebaut“, sagte er im Gerichtssaal. Stimmt! Da sind die 1.000 Euro vielleicht eine zeitgemäße Erziehungsmaßnahme. Denn wer will den Delinquenten jetzt noch abfragen, ob er „Schillers Bürgschaft“ auswendig kann?

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Bonn: 4 O 93/15

Buchstabenpistole

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