Teure Romantik: Bräutigam fackelt aus Versehen zwei Häuser ab

Samstag, 08.08.2015 PK

So etwas wünscht sich doch jeder – eine Mega-Party, sogar mit einem ganz speziellen Feuerwerk. Doch keine hundert Meter von der Hochzeitsfeier entfernt gingen darauf plötzlich zwei Gebäude in Flammen auf. Vor wenigen Tagen nun bekam der Bräutigam dann auch die Rechnung dafür präsentiert: 300.000 Euro…

Allein deshalb wird die Hochzeitsfeier allen Gästen wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Und das, obwohl sie bereits sechs Jahre zurückliegt: Denn die zwei Häuser brannten damals am Abend des 11. Juli 2009 in Dieburg. Kurz vor Ausbruch des Feuers hatten der Bräutigam und die Mutter der Braut 20 sogenannte „Himmelslaternen“ gezündet, und das, obwohl sie im Vorfeld sowohl von der Flugsicherung als auch vom Ordnungsamt der Stadt Dieburg eindringlich vor der Gefährlichkeit von solchen Laternen gewarnt worden waren.

Schlau gefragt, dumm gehandelt

Doch die Warnung wurde in den Wind geschlagen: Und weil die kleinen, schwebenden Brandbeschleuniger zu der Zeit nicht verboten waren, hatte die Hochzeitsgesellschaft ihre helle Freude daran…

Jetzt wissen wir, was „helle Freude“ heißt

…allerdings deutlich heller als erwartet! Und mit der Konsequenz, dass die Verwendung von Himmelslaternen inzwischen fast überall in Deutschland genehmigungspflichtig ist. Für die Stadt Dieburg kam das dafür nötige Regelwerk allerdings zu spät: die „BallonLGefAbwV HE“ (zu Deutsch: Gefahrenabwehrverordnung gegen das Aufsteigenlassen von ballonartigen Leuchtkörpern) trat am 16.07.2009 in Kraft – exakt fünf Tage nach der „heißen“ Feier.

Regressanspruch der Versicherung

Weitere sechs Jahre nahm am Ende die juristische Aufarbeitung in Anspruch. Denn die Versicherung, die den Gebäudeeigentümern den Schaden von rund 300.000 Euro ersetzt hatte, wollte das Geld von den Verursachern zurück. Und das Oberlandesgericht Frankfurt entschied nun in zweiter Instanz: Der Anspruch ist gerechtfertigt, weil nach der Beweisaufnahme davon ausgegangen werden muss, dass der Brand der Gebäude tatsächlich durch die Himmelslaternen verursacht worden war. 

Sicher ein unvergessliches Erlebnis

Da werden die beiden Eheleuten ihren Enkeln später eine tolle Story zu erzählen haben. Ungefähr zur gleichen Zeit dürfte dann wohl auch der Schaden abbezahlt sein…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Frankfurt/M., Urteil vom 24.07.2015: 24 U 108/14

Hochzeit mit Feuerwerk

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