Von wegen Freund und Helfer!

Sonntag, 17.05.2015 PK

Kurz vor Mitternacht ging die Alarmanlage am Haus der Seniorin los. Die 70-jährige Witwe bekam es mit der Angst zu tun. Waren Einbrecher am Werk? Oder drohte gar ein Überfall? Voller Panik griff die alleinlebende Frau zum Telefon und wählte die „110“. Die rückte auch an, konnte aber weder einen Einbrecher noch Spuren von ihm finden. Und jetzt soll die alte Dame 110 Euro für den vergeblichen Einsatz zahlen…

Die Polizei selber fordert zur Wachsamkeit auf…

Eigentlich hatte sie alles richtig gemacht! Denn nach draußen zu gehen, um nachzusehen, war selbstverständlich zu gefährlich. Und tatsächlich rät selbst die Klever Polizei, in deren Revier sich dieser Vorfall zugetragen hatte, auf ihrer Internet-Seite den Bürgern: „Wer seine Umgebung und Nachbarschaft im Auge behält, verdächtige Personen oder Geschehnisse wahrnimmt, sollte dies sofort der Polizei via 110 mitteilen. Dieses Verhalten hilft sehr effektiv, den Tätern noch vor der Tat das Spiel zu verderben.“

…aber wehe, man hält sich daran!

Dass unsere Freunde und Helfer im Anschluss an den Einsatz die Hand aufhalten, ist allerdings in diesem Zusammenhang eine zynische Überraschung. Doch noch zynischer ist es, ausgerechnet einen Pauschalbetrag von 110 Euro zu fordern. Mal im Ernst: Wer ruft noch die Polizei, wenn er damit das Risiko eingeht, zur Kasse gebeten zu werden – und das nur, weil er auf dem Nachbargrundstück einen verdächtigen Schatten gesehen oder ein seltsames Geräusch gehört hat?

Freundschaft geht anders

Natürlich muss etwas anderes gelten, wenn jemand den Notruf missbraucht, indem er absichtlich Fehlalarme auslöst. Die Beamten jedenfalls begründen die 110-Euro-Rechnung mit der großen Zahl an solchen Fehlalarmen. Die alte Dame hat sich jetzt bis Ende Mai zu dem Vorfall zu äußern, ansonsten wird der Gebührenbescheid rechtskräftig. Ihre Enttäuschung können wir nachvollziehen. Das Verhalten der Polizei nicht. Zumal Tage vorher in der Nachbarschaft wirklich eingebrochen worden war. Schöne Freunde sind das!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Missbrauch von Notrufen § 145 StGB

Vortäuschen einer Straftat § 145d StGB

Ältere Dame am Fenster

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