Ehevertrag per Telefon

Freitag, 08.05.2015 DOD

Kribbeln im Bauch vor dem Standesamt, Tränen in den Augen vor Rührung, das Tauschen der Ringe und der erste Kuss als frisch vermähltes Paar. All das gehört bei einer Trauung dazu. Doch andere Länder, andere Sitten - denn nach pakistanischem Recht kann eine Ehe sogar am Telefon geschlossen werden…

Die Eheschließung am Telefon ist in Pakistan völlig normal - und rechtsgültig. Die Partner schließen telefonisch den Bund fürs Leben. Und sehen sich meist erst Monate später zum ersten Mal. Die Standesbeamten in Deutschland tun sich allerdings schwer mit dieser Art der Hochzeit.

Ehepartner sehen sich erst nach der Hochzeit

So auch geschehen im vorliegendem Fall: Die Ehe wurde 2009 in Pakistan geschlossen. Die Frau traf sich mit dem Standesbeamten und dem Onkel des Zukünftigen. Der Ehemann wurde telefonisch dazu geschaltet. Beide Ehegatten waren sich zum Zeitpunkt der Eheschließung persönlich noch nie begegnet - sie trafen sich erstmals acht Monate später, im Oktober 2009.

„Handschuhehe“ auch gültig in Deutschland

Diese „Handschuhehe“ (das bedeutet, es wird geheiratet, ohne dass beide Partner anwesend sind) ist nach pakistanischem Recht rechtens und wirksam. Das deutsche Standesamt weigerte sich allerdings, diese Art der Eheschließung anzuerkennen, als das Paar nach Deutschland zog, und behauptete, es sei gar nicht „richtig“ verheiratet. Das Fall ging deshalb vor ein deutsches Gericht. 

Ausländisches Recht maßgebend

Die Richter vom Pfälzischen Oberlandesgericht Zweibrücken hatten aber, im Gegensatz zum Standesamt, wohl keine Probleme mit den fremden Gepflogenheiten. Denn sie entschieden sich für die Anerkennung der am Telefon geschlossenen Ehe. Nach Auffassung der Richter war in diesem Fall nämlich allein das ausländische Recht maßgebend. Hätte das Paar dagegen in Deutschland geheiratet, wäre die fernmündliche Eheschließung nicht rechtens gewesen. In Deutschland ist es nämlich Pflicht, dass beide Partner bei der Hochzeit persönlich anwesend sind, ausländische Gepflogenheiten hin oder her.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Pfälzisches Oberlandesgericht Zweibrücken, Urteil vom 08. Dezember 2010, Aktenzeichen 3W175/10

Braut mit Handy

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