Auf freien Fuß gesetzt, weil das Verfahren zu teuer ist?

Mittwoch, 09.12.2015 PK

Ein mutmaßlicher Einbrecher, vom Düsseldorfer Amtsgericht eigentlich zu 13 Monaten Haft verurteilt, bestreitet die Tat und fordert, das Urteil müsse wieder aufgehoben werden. Er behauptet: Sein Zwillingsbruder sei es gewesen. Doch der – wie praktisch – lebt in Serbien. Diesen also vor Gericht zu stellen, dürfte recht schwierig werden…

Doch genau das fordert der 42-jährige Verurteilte, dessen DNA an mehreren Tatorten gefunden worden war, und ging in Berufung. Denn seine DNA, die mit der seines Zwillingsbruders bis auf minimale Abweichungen identisch ist, könne nicht als Beweis für seine Täterschaft gelten.

Ein Zwilling kommt selten allein

Und tatsächlich besteht jetzt die Chance auf einen Freispruch, obwohl ihm die Richter die Story vom serbischen Zwilling nicht abgekauft haben. Denn der Berufungsinstanz, dem Landgericht, liegt inzwischen die Bestätigung vom serbischen Konsulat vor: Der Mann hat wirklich einen eineiigen Zwillingsbruder. Jetzt muss also ein teures Spezialgutachten klären, wer von beiden an den Tatorten war. Und diese DNA-Analyse kann nur ein einziges Institut in Deutschland vornehmen – was das Verfahren um satte 60.000 Euro verteuern wird, sagte ein DNA-Sachverständiger des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen.

Freiwillig keine Spucke

Was zum Vergleich noch fehlt, ist eine DNA-Probe des Zwillings. Dass der jedoch freiwillig am Wattestäbchen lutscht, damit das Verfahren gegen seinen Bruder eingestellt wird, ist unwahrscheinlich. Deshalb hat das Gericht jetzt zunächst zu klären, ob eine Speichel-Abgabe erzwungen werden kann. Nach aktuellem Stand geht das nicht, weil der Bruder in Serbien derzeit kein Tatverdächtiger ist. 

Zum Glück war das noch nicht alles

Das Berufungsverfahren ist inzwischen ausgesetzt, sagte eine Gerichtssprecherin. Ob es weitergeht, weiß noch niemand: das Gericht kann sich nämlich entweder für die kostspielige Analyse entscheiden - oder das Verfahren einstellen, auch ohne die „Unterstützung“ des Zwillingsbruders. Ob eine Einstellung dem vermeintlichen Einbrecher wirklich nützt, steht auf einem anderen Blatt. Er muss sich nämlich in einem weiteren Verfahren verantworten. Tatvorwurf: Kreditbetrug. Sonst wäre er womöglich längst auf freiem Fuß.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Einbruch (Besonders schwerer Fall des Diebstahls) § 243 StGB

Kreditbetrug § 265b StGB

Ganoven-Zwillinge

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