Kurioser Ortstermin: Mit der Richterin im Ehebett

Mittwoch, 03.06.2015 PK

Wegen schlafraubender „Knarzgeräusche“ reklamierte ein Ehepaar aus Königswinter das neue Ehebett und wollte vom Möbelhaus sein Geld zurück. Doch da der Möbellieferant dies nicht tun wollte und die Einrichtung des Schlafzimmers über 5.000 Euro gekostet hatte, musste sich am Ende eine Richterin im Schlafzimmer persönlich vom mangelhaften Mobiliar überzeugen…

An Schlaf war schon in der ersten Nacht nicht zu denken: Denn das über 5.000 Euro teure Doppelbett aus massiver Kernbuche quietschte bei jeder Bewegung so laut, dass das Ehepaar aus Königswinter kein Auge zu bekam. Was folgte, war der normale Gang der Dinge: Reklamation, das Möbelhaus schickte nach Monaten einen Mitarbeiter, der das Problem beseitigen sollte.

Eine Kette von misslungenen Nachbesserungen

Versuch Nummer eins des fleißigen Mitarbeiters: Die Lattenroste bekamen neue Halterungen. Ergebnis: Das Bett quietschte. Die Nacht danach war die Hölle, obwohl die Eheleute sich nur ganz vorsichtig von einer auf die andere Seite drehten.

Neuer Versuch: Filzkleber. Ergebnis: Das Bett quietschte immer noch. 

Nächster Versuch: Verstärkungswinkel. Aber die halfen auch nicht. 

Letzter Versuch: Austausch der Lattenroste. Doch als auch die darauf folgende Nacht nicht den versprochenen erholsamen Schlaf brachte, hatte das Ehepaar die Faxen dick. Die beiden wollten das nervige Schlafzimmer gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben.

Ortstermin im Schlafzimmer

Wie erwartet, verfolgte das Möbelhaus nicht dieselben Interessen und verweigerte die Rückzahlung – ein Fall für das Landgericht Bonn, dessen zuständige Richterin sich dann vor Ort von der unerträglichen Geräuschkulisse überzeugen wollte. Also rückte sie mitsamt Gutachter und weiteren Zeugen im Schlafzimmer des Ehepaares an und bat den Ehemann ins Bett. Als Ohrenzeugin stellte sie darauf fest: „Die Geräusche, die bereits bei sanften Drehungen - und das nur zu Demonstrationszwecken - verursacht werden, sind so laut, dass es nachvollziehbar ist, dass man ständig aus dem Schlaf gerissen wird“. Der Gutachter setzte sogar noch einen drauf, indem er nur mit dem Druck seiner Hand ähnliche Geräusche erzeugte.

Nutzungsabschlag trotz Unbrauchbarkeit

Das Urteil fiel deshalb zugunsten des Ehepaares aus: Das Möbelhaus musste die gesamte Schlafzimmereinrichtung zurücknehmen und 4.547,08 Euro erstatten. Denn von einem Bett darf und muss man erwarten können, dass man darin auch schlafen kann. Deswegen heißt es ja Bett. Den vollen Kaufpreis gab es allerdings nicht zurück – wegen eines Nutzungsabschlags. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Bonn: : 2 O 379/13

Hüpfendes Ehepaar im Bett

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