Die Entstehung irrwitziger Gesetze: Wehe, hier stirbt einer!

Donnerstag, 19.02.2015 PK

Reichskanzler Otto von Bismarck sagte einmal: „Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie“… Sie wollen’s trotzdem wissen? Bitte schön:

Weil der Friedhof der Gemeinde Cugneaux (Frankreich, nahe Toulouse) überfüllt war, galt dort für zwei Monate ein Sterbeverbot. Dieselbe Idee hatte übrigens auch der Gemeinderat eines Dorfes in der Nähe von Neapel. Und im englischen Parlamentsgebäude ist das Ableben ebenfalls untersagt, weil jedem, der dort das Zeitliche segnet, ein Staatsbegräbnis zusteht. Und das ist den Insulanern einfach zu teuer.

Dahinter steckt eine gewisse Logik

Bemerkenswert ist, dass solche irrwitzigen Gesetze so entstehen, wie ganz normale Gesetze auch – nämlich um ein Problem aus der Welt zu schaffen, das vorher niemand bemerkt hat. Also: Ohne neue Leichen kein Platzproblem, ohne Tod keine Leichen, folglich wird der Tod kurzerhand verboten. Simpel und fast schon befreiend, oder?

Wir sind Weltmeister im Gesetzemachen

Nach derselben Logik entstehen auch typisch deutsche Regeln: 

• Dass die Parks voller Müll sind, stört jeden. Ursache dafür sind diejenigen, die dort grillen und den Müll liegenlassen. Doch anstatt die Verschmutzer zu bestrafen wird – Problem gelöst! – das Grillen komplett verboten. Logik verstanden? Dann hier zwei weitere Beispiele:

• Weil Körperverletzungen und Belästigungen in der U-Bahn vorwiegend durch Betrunkene begangen werden, wird nicht etwa mehr Aufsichtspersonal eingesetzt. Stattdessen wird ein Alkoholverbot erlassen. Simpel, logisch, aber natürlich völlig sinnlos.

• Und wenn Jugendliche durchdrehen, sucht man nicht nach den Ursachen im Einzelfall. Das wäre ja zu aufwändig – man vermutet lieber übereifrig die Auslöser in Computerspielen, Musik und Filmen. Und die kommen dann eben ruckzuck auf den Index und werden verboten. Problem gelöst.

Leider trifft es immer die Falschen

Viel mehr als ein sanftes Kopfschütteln bleibt einem bei solch blindem Aktionismus nicht wirklich übrig. Denn solche Verbote und Gesetze sind natürlich vollkommen wirkungslos, zudem treffen sie oft die Falschen. Doch leider entstehen neue Stilblüten der Gesetzgeber weltweit schneller, als man sie einstampfen kann. 

Die hauen richtig auf die Kacke

Ein besonderes Schmankerl zum Schluss ist dieser Satz aus der deutschen Bürokratie-Phrasendrescherei: „Nach dem Abkoten bleibt der Kothaufen grundsätzlich eine selbstständige bewegliche Sache, er wird nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbarer Bestandteil des Wiesengrundstücks, der Eigentümer des Wiesengrundstücks erwirbt also nicht automatisch Eigentum am Hundekot.“

Na, was für ein Glück!

Friedhof „Dead End“

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