Wegen eines Bagatelldiebstahls kommt keiner in den Bau? Von wegen!

Freitag, 05.12.2014 PK

Ein Alkoholiker klaut in einem Supermarkt eine Flasche Wodka. Warenwert: 4,99 €. Wohl so ziemlich der billigste Fusel im Regal. Doch obwohl das Diebesgut an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben wurde, kommt der Täter jetzt ins Gefängnis.

Seit wann werden bei uns solche „Eierdiebe“ verknackt, fragt man sich. Nun: Dieser spezielle Fall hat natürlich eine Vorgeschichte: Der Angeklagte ist bereits wegen Diebstahls in erheblichem Umfang vorbestraft und hat einige Hafterfahrung vorzuweisen. Doch was nun folgte, kann mehr als nur ein leichtes Kopfschütteln auslösen…

Ist das wirklich nötig?

Der geständige 46-Jährige wurde vom Amtsgericht Siegen zunächst zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 10.- € verurteilt, doch das war der Staatsanwaltschaft nicht genug. Berufung! Nächste Instanz: Die Kleine Strafkammer des Landgerichts Siegen. Die verhängte eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten ohne Bewährung. Doch das passte wiederum unserem Angeklagten nicht. Revision! Nun war der 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm an der Reihe. Und der reduziert die Freiheitsstrafe auf einen Monat und eine Woche, ebenfalls ohne Bewährung. Quasi als „Erziehungsmaßnahme“.

Was unterm Strich herauskommt

Na gut. Rechnen wir den „Deckel“ mal zusammen, was den Staat, also uns alle, der Spaß kostet: Die Gerichtskosten liegen bei 140.- € in der ersten Instanz, 210.- € in der zweiten und 280.- € in der dritten. Dazu kommen die Haftkosten (ca. 90.- € pro Tag), also ca. 3300.- €. Nicht zu vergessen: täglich frische Unterwäsche und Socken (Warum der Staat jetzt 197.130 Unterhosen kaufen muss), macht zusammen knappe 4000.- €. Oder 801 Flaschen Wodka. Na dann, Prost!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgerichts Hamm (1 RVs 82/14) 

Schuldfähigkeit (§ 21 StGB)

Gerichtskosten

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