Luftpumpen vor Gericht – die dümmste Panzerknackerbande der Welt

Sonntag, 03.07.2016 PK

Eine Serie von Geldautomaten-Sprengungen erschütterte im vergangenen Jahr das Bundesland Nordrhein-Westfalen. 14-mal(!) versuchte eine Bande, Geldautomaten zu sprengen. Aber außer einem Haufen verbogenes Blech, vermischt mit angekokelten Geldscheinen, haben die Typen nichts auf die Reihe gekriegt...

... und erwischt wurden sie obendrein. Hier ein kleiner Auszug ihrer unrühmlichen Leidensgeschichte: Mal haben sie bei all dem Qualm, den ihre Sprengungen verursacht hatten, den Geldautomaten nicht vom Kontoauszugsdrucker unterschieden können. Ein anderes Mal war die Explosion so stark, dass die Geldscheine noch am Tatort in Flammen aufgingen. Beute haben die Täter jedenfalls bei keinem ihrer 14 Versuche gemacht.

Auf frischer Tat erwischt

Zivilfahnder des Landeskriminalamtes lagen natürlich trotzdem längst auf der Lauer. Und als einen Tag vor Weihnachten 2015 der letzte - und diesmal endlich erfolgreiche Coup - stattfinden sollte, waren die Beamten rechtzeitig da, um vier von insgesamt sechs verdächtigen Laiendarstellern in Sachen Bankraub auf frischer Tat zu ertappen.

Im wirklichen Leben gar nicht dumm

Die vier sind jetzt angeklagt, sich an Geldautomaten in Kranenburg, Bedburg-Hau, Kleve, Goch, Kleve, Kalkar, Kevelaer, Xanten, Wesel und Nettetal vergangen zu haben. Überraschend für die Ermittler: So blöd, wie sie sich bei ihren Panzerknacker-Aktionen angestellt haben, sind die Angeklagten eigentlich gar nicht. Einer hat Fachhochschulreife, einer ist Metaller, der dritte arbeitet in der Logistik. Nur Täter Nummer vier hat lediglich einen Aushilfsjob. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie sich finanziell übernommen haben und deshalb so verzweifelt die automatisierten Geldquellen anzapfen wollten.

Gebrauchsanweisung per YouTube

Wie sich jetzt für die Männer herausstellt, gehört dazu allerdings doch mehr, als sich auf YouTube ein Video anzuschauen, wie die Sache mit der Gasverpuffung richtig funktioniert. Diese vier Täter haben sich dabei selbst als dilettantische Luftpumpen qualifiziert, weil sie das Gas an der falschen Stelle in die Geldautomaten leiteten. Mit teuren Folgen: 700.000 Euro Sachschaden plus 152.000 Euro bis zur Unkenntlichkeit verkokeltes Bargeld.

Einer hat sich selbst verraten

Wie die Polizei diesen Könnern schlußendlich auf die Schliche gekommen ist: Einer von ihnen hatte an den Tatorten immer sein Handy eingeschaltet. Und das hat natürlich verraten, dass er bei den Überfällen dabei war. Wie clever! Die Ermittler haben dann einfach Gespräche abgehört und SMS- sowie WhatsApp-Nachrichten mitgelesen. Dabei hätte ein Knopfdruck genügt, um den elektronischen Verräter abzuschalten. Vielleicht hätten sie einfach noch ein paar YouTube-Videos mehr anschauen müssen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Besonders schwerer Fall des Diebstahls § 243 StGB

Zerstörter Geldautomat

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