Ein Baby musste sterben – wegen einer engstirnigen Hebamme

Montag, 13.06.2016 PK

Die Angeklagte hätte es wissen müssen: Denn sie ist zugleich Hebamme UND Ärztin. Doch weil sie eine überzeugte Verfechterin der Hausgeburt ist und eine hochschwangere Frau partout nicht in ein Krankenhaus einliefern lassen wollte, hat sie nun den Tod eines Babys zu verantworten. Denn die rechtzeitige Einweisung hätte das Kind gerettet…

Das Risiko einer Totgeburt hätte die Frau niemals ignorieren dürfen. Hat sie aber wider besseren Wissens! Denn sie hatte sehr wohl erkannt, dass sich das Ungeborene in einer sogenannten Beckenlage befand – also nicht mit dem Kopf in Richtung Geburtskanal, sondern mit seinem Po. In vielen Fällen ist bei dieser Lage ein Notkaiserschnitt erforderlich – doch der kann nur unter klinischen Bedingungen vorgenommen werden, niemals zu Hause. Und obwohl die Angeklagte das als Ärztin selbstverständlich wusste, riet sie der jungen Mutter zu einer „natürlichen Geburt“. Dabei verharmloste sie die Risiken.

Bis zuletzt rechthaberisch…

Sogar, als es zu einem lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel beim Kind kam, dachte die Angeklagte gar nicht daran, einen Nottransport in die nächste Klinik zu veranlassen. Hätte sie das jedoch getan, wäre das Leben des Kindes gerettet worden. Deshalb verurteilte das Landgericht Dortmund sie zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten wegen Totschlags durch Unterlassen.

…und uneinsichtig bis zum BGH

Zudem wurde gegen sie ein lebenslanges Berufsverbot verhängt und die Schmerzensgeldansprüche der Eltern des toten Babys konnten gleich im Strafprozess mit verhandelt werden. Man nennt diesen speziellen Vorgang ein sogenanntes „Adhäsionsverfahren“. Doch die Medizinerin wollte bis zum Schluss nicht einsehen, etwas falsch gemacht zu haben und ging in Revision. So dass am Ende der Bundesgerichtshof bestätigen musste: Das Landgerichts-Urteil ist korrekt und damit rechtskräftig. Die Frau wird nie mehr ein Baby und dessen Mutter gefährden.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Dortmund, Urteil vom 1. Oktober 2014 –  37 Ks 3/11

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 11. Mai 2016 – 4 StR 428/15

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