Warum Hartz IV-Empfänger Zeitreisen besser verschweigen sollten

Mittwoch, 01.10.2014 PK

Mit der Behauptung, er könne durch die Zeit reisen, tat sich jüngst ein ALG II-Empfänger keinen Gefallen. Denn das machte das Job-Center in Düsseldorf hellhörig: Wer ALG II kassiert, hat sich nämlich vor Antritt einer Reise abzumelden!

Unterlässt man dies, verstößt man gegen die Erreichbarkeitsanordnung (EAO) und riskiert, dass einem die Leistungen verweigert werden. So geschehen einem Mann, der „vergessen“ hatte, sich abzumelden. Dass er nun behauptete, Zeitreisen seien nicht meldepflichtig, stieß erwartungsgemäß auf keine große Begeisterung.

Beweis: Einreisestempel von 1970

Zum Beweis legte der Düsseldorfer seinen Reisepass vor, der einen Einreisestempel von 1970 trug – Ein Datum zwei Jahre vor seiner Geburt. Und weil er zu dem Zeitpunkt noch gar nicht arbeitslos gewesen war und natürlich auch nicht ahnen konnte, es jemals zu werden, bestritt er den Verstoß gegen die EAO. Doch sein Jobcenter reagierte nicht wunschgemäß, und so klagte der Zeitreisende vor dem Sozialgericht Düsseldorf gegen das Center wegen Untätigkeit (Aktenzeichen: S 40 AS 2814/13).

Ewig schnöde Justitia

Leider konnte er das Reisedokument bei der Verhandlung nicht mehr vorlegen – die Klage wurde abgewiesen. Was blieb, war eine tiefe Verständnislosigkeit unseres Reisenden ob der ungeheuerlichen Ignoranz seitens der Behörden. Man hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, ihm zuzuhören!

Vermögen nicht nachgewiesen

Sicher auch deswegen, weil Zeitreisen unglaublich teuer sind. Ein Hartz IV-Empfänger wird also bei seiner Abmeldung beim Jobcenter nicht umhin kommen, nachzuweisen, woher denn das Geld für die Expedition durch die Zeit überhaupt stammt.

Vermittlungs-Potential unterschätzt

Ungeklärt bleibt jedoch auch, warum das Jobcenter den Mann nicht wieder in den Arbeitsmarkt vermitteln konnte. Immerhin muss ein Zeitreisender zwangsläufig über logistische Erfahrungen verfügen, die sonst niemand hat. Nicht einmal die Frage nach dem Verbleib der Zeitmaschine wurde gestellt – Übrigens auch von den Richtern am Sozialgericht nicht.

Dass der ALG II-Empfänger seinen Reisepass nicht mehr auffinden konnte, mag ihm verziehen werden. Er wird ihn auf einer seiner Reisen sicherlich irgendwo liegen gelassen haben. Das „Wo“ wird ihm bestimmt wieder einfallen – Aber auch das „Wann“?

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Aktenzeichen: S 40 AS 2814/13

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