Geschlechtsumwandlung zum Neutrum: Untenrum Barbie, obenrum Ken

Mittwoch, 08.10.2014 PK

Norrie May-Welby (48) ist kein Mann. Eine Frau aber auch nicht. Auf die Frage, wie der Mensch Norrie sich selbst empfinde, lautet die Standardantwort: „Unten Barbie, oben Ken.“ Und nach einem Beschluss des obersten Autralischen Gerichts darf Norrie sich jetzt auch ganz offiziell "ein Neutrum“ nennen.

Das als Junge geborene Norrie kam 1983 auf die Idee, eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen. Aber fortan als Mädel zu leben gefiel ihm auch nicht recht – so beschloss es, fortan ohne Geschlechtsbestimmung zu leben.

Geht das auch bei uns?

Während Norrie für sich und seine geschlechtsneutralen Mitwesen ein historisches Urteil erstritt, ist die Rechtslage in Deutschland nicht ganz so einfach: Allerdings kann seit 1. November 2013 in der Geburtsurkunde das Merkmal „x“ (statt „m“ oder „w“) eingetragen werden, wenn das Geschlecht nicht eindeutig erkennbar ist, oder wenn Merkmale beider Geschlechter vorhanden sind.

Wie redet man mit "denen"?

Allein in Deutschland gibt es rund 8.000 bis 10.000 Personen, bei denen das Geschlecht nicht eindeutig ist – sie nennen sich selbst „Neutrois". Schwierig, eine akzeptable Anrede zu finden, ohne beleidigend zu sein.

Bei „sie“ und „er“ denkt man sofort an Frau oder Mann, was zu Neutrois-Menschen ja nicht passt.Also wäre eigentlich „es“ geschlechtsneutral, aber dieses Pronomen wird meist für Gegenstände oder Tiere benutzt. Viele Leute empfinden „es“ deswegen als inakzeptabel.

Ist das überhaupt wichtig?

So wichtig immerhin, dass die Bundesregierung im Jahr 2010 den Ethik-Rat mit einer Stellungnahme beauftragte. Denn ganz abgesehen von einer unauffindbaren korrekten Sprachregelung scheitert auch unsere Gesetzgebung am dritten Geschlecht. Ist es zum Beispiel zulässig, chirurgische Eingriffe an den Geschlechtsorganen bei betroffenen Kleinkindern vorzunehmen? Der Ethikrat sagt klar nein, denn solche irreversiblen medizinische Maßnahmen stellen einen Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit dar – zudem in das Recht auf Fortpflanzungsfreiheit.

Das dritte öffentliche Klo

Unten Barbie, oben Ken – welche Toilette ist die richtige? Einen Ansatz gibt es immerhin: In Berlin-Friedrichshain beschloss das Bezirksparlament, in öffentlichen Gebäuden zusätzliche Unisex-Toiletten einzuführen. Nicht geklärt ist allerdings, an welchem Sportunterricht in der Schule die „Neutrois“ teilnehmen sollen, ob es bei der Bundeswehr und in Gefängnissen zusätzliche Duschräume geben wird und ob die Krankenkassen künftig die Vorsorgeuntersuchungen doppelt zahlen müssen.

Schwierige Fragen, und das im doppelten Sinne.

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