Führerschein mit vollem Körpereinsatz

Freitag, 01.01.2016 PK

Statt horrende Gebühren für die Fahrstunden zu verlangen, akzeptieren einige Fahrlehrer in Holland die Bezahlung mit Sex. Und das ist legal! „Einmal fahren für eine Nummer“ lautet das für unsere Ohren eher unanständige Angebot – denn nach der Fahrstunde heißt es dann einfach: „Bitte einmal rechts ranfahren“...

Tatsächlich verstößt diese merkwürdige Praxis nicht gegen niederländisches Gesetz, wie vor kurzem von Justizminister Ard van der Steur und Transportministerin Melanie Schultz van Haegen bestätigt wurde. Zweifel an der Rechtmäßigkeit hatte es allerdings gegeben: Die Polizei ermittelte bereits wegen illegaler Prostitution, musste diese Ermittlungen aber einstellen, nachdem im Parlament geklärt worden war: Dieser Deal ist ein bloßes Tauschgeschäft, weil der Sex ja nicht verkauft wird. Prostitution wäre es nur dann, wenn das Angebot vom Fahrschüler/in käme – hier aber wird seitens der Fahrschulen ganz offen damit geworben, dass es diese „bargeldlose“ Zahlungsmethode gibt.

Prostitution nein, Steuerhinterziehung ja

Selbstverständlich müssen beide Parteien volljährig und mit der horizontalen Entlohnung einverstanden sein. Wir hätten uns an sich gar nicht damit beschäftigt, käme nicht noch ein zusätzlicher amüsanter Aspekt hinzu: Denn Ungemach droht den Fahrlehrern ausgerechnet vom Finanzamt. Denn was mit einer körperbetonten Gefälligkeit bezahlt wird, bringt dem Staat keine Steuern ein. Sobald aber nachgewiesen wird, dass eine Firma für ihre „Einnahmen“ keine Steuern zahlt, wird der Laden von Amts wegen dicht gemacht. Schließlich ist es kaum vorstellbar, dass der Fahrlehrer seinerseits einen Finanzbeamten ausgiebig beglückt, um damit seine Steuerschuld abzuarbeiten. 

Für manche eine neue Karriere-Chance

Zwar nicht illegal, aber dennoch ist diese bemerkenswerte „Verkehrsregel“ vielen Politikern ein Dorn im Auge. Und auch im niederländischen Fahrschulverband gibt man sich nur eingeschränkt begeistert. Bleibt die Frage, ob auch deutsche Fahrschüler womöglich mit vollem Körpereinsatz zu einem Führerschein in Holland kommen können. Die Antwort ist nein – ohne im betreffenden Ausland zu wohnen und auch dort gemeldet zu sein, kann kein Deutscher einen ausländischen Führerschein erwerben. Aber wer weiß: Wer schon immer den Berufswunsch „Fahrlehrer“ hatte, findet womöglich bei unseren westlichen Nachbarn ein befriedigendes Betätigungsfeld.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Europäischer Gerichtshof - C-329/06, C-343/06, C-334/06 und C-336/06

Liebe im Auto

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