Als hätte man es im Kino gesehen: Legendärer Mafia-Boss vor Gericht

Freitag, 13.11.2015 PK

Es ist 37 Jahre her, als eine Handvoll bestens vorbereiteter, extrem brutaler Räuber das Frachtzentrum der Lufthansa am New Yorker „Kennedy Airport“ überfallen. Sie erbeuten 6,25 Millionen Dollar – fein säuberlich in Kisten verpackt. Jetzt steht der Drahtzieher, Vincent Asaro, für diesen Raub vor Gericht…

Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe – ob die ihm jedoch noch viel ausmachen dürfte, darf man getrost bezweifeln: Der Mafia-Boss ist bereits 80 Jahre alt. Mit versteinertem Gesicht sitzt er auf der Anklagebank. Nur an den schnellen Bewegungen seiner  Augen erkennt man, dass ihm nichts entgeht. Dass er innerlich kocht, sieht man ihm ebenfalls an. Doch hier im Gerichtssaal ist er, der einst so mächtige Pate, vollkommen machtlos. Er muss ertragen, wie sein eigener Cousin als Kronzeuge auftritt und ihn für einen der spektakulärsten Raubzüge der Geschichte ans Messer liefert. 

Ein Echtfall als Filmvorlage

Vincent Asaro – schon dieser Name klingt irgendwie, als käme gleich Robert de Niro um die Ecke und würde ein paar schwitzende Typen in einer verqualmten, illegalen Pokerbude von den Stühlen pusten... und tatsächlich lieferte die wahre Räubergeschichte die Vorlage für den US-Spielfilm „Goodfellas“, in dem de Niro die Hauptrolle spielte.

Beute in hohle Wände gestopft

Doch zurück zur Realität: Der Hauptbelastungszeuge, Cousin Gaspare Valenti, schildert ganz entspannt den Hergang des damaligen Raubzuges: Er und seine Kumpane bahnten sich den Weg ins Lufthansa-Frachtzentrum. Sie streckten drei Wächter nieder und schlossen sie ein. Die Beute wurde in der Wohnung von Cousin Gaspare versteckt – und weil es so viel war, mussten zum Teil Türrahmen und Wände ausgehöhlt werden, um die Geldscheine zu verstecken.

Redet er, um sich zu rächen?

Doch Valenti selbst durfte von der Beute nur 750.000 Dollar behalten. Den Rest teilten sich die Bosse, nachdem alle Mitwisser beseitigt und eins geworden waren mit den Betonfundamenten der umliegenden Neubauten. Und weil das große Geld nicht das war, womit Valenti umzugehen wusste, machte er bei Pferdewetten kleines daraus, bis nichts mehr übrig war. 

Das gefährliche Leben als Kronzeuge

Für das FBI der richtige Zeitpunkt, ein Mafia-Mitglied als Kooperationspartner zu gewinnen: Seit 2008 plaudert der Cousin des Paten, was das Zeug hält. Dafür bekommt er 3.000 Dollar pro Monat. Finanziell seine Rettung. Nur: Gut verstecken wird er sich müssen. Sonst verpasst ihm plötzlich jemand ebenfalls neue Schuhe aus Beton...

... zumal der angeklagte Vincent Asaro heute von den Geschworenen als „nicht schuldig“ eingestuft wurde und den Gerichtssaal als freier Mann verließ...

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Schwerer Raub § 250 StGB

Mord § 211 StGB

Bildung krimineller Vereinigungen § 129 StGB

Goodfellas, Robert de Niro

Weitere Artikel

Kommentare