Diesen Nebenjob behält man vielleicht besser für sich

Samstag, 13.02.2016 PK

Eine junge Frau vertraute einem Bekannten an, sie wolle demnächst für einen Eskort-Service arbeiten. Dass dies, anders als die Bezeichnung es vermuten lässt, nicht viel mit Begleitung, sondern mit spezieller Betreuung zu tun hat, störte den Bekannten über die Maßen. Er informierte daraufhin den gesamten Freundeskreis der jungen Frau...

Sein Motiv für diese Denunziation dürfte wohl darin begründet sein, dass er selbst bei der jungen Dame nicht zum Zuge kam. In der Gerichtsverhandlung stellte sich nämlich heraus, dass er im Sommer 2013 sexuelle Zuwendung gefordert hatte, andernfalls würde er sich nicht an sein ursprüngliches Versprechen, über den Eskort-Job zu schweigen, halten.

Aus purer „Fürsorge“ verpetzt

So geschah es dann: Der Mann kopierte die Fotos, welche die spätere Klägerin in sexy Dessous und auch oben ohne zeigten, von der Internetseite der Eskort-Agentur und schickte sie unter anderem an die Mutter der Frau. Post erhielten auch weitere Bekannte von ihr – am Ende führte das zu erheblichen Irritationen im sozialen Umfeld. Nicht zuletzt deshalb, weil der Absender – der nach eigener Aussage aus purer Fürsorge handelte – auch noch ein paar unappetitliche Ferkeleien hinzudichtete. An die freizügigen Fotos kam der Mann, weil er sich selbst bei der Eskort-Agentur als Kunde hatte registrieren lassen.

Nicht alles im Netz ist für alle gedacht

Die für Begleitungen aller Art offene Dame fühlte sich bloßgestellt und verlangte nun von ihrem ehemaligen Vertrauten Schadensersatz. Und tatsächlich sprach ihr das Landgericht Frankfurt / Main diesen auch zu. Der Mann hat nämlich, so die Richter, die Persönlichkeitsrechte der Frau verletzt, indem er Informationen in die Öffentlichkeit getragen hatte, die dazu geeignet waren, als peinlich empfunden zu werden. Das überrascht Außenstehende schon: Immerhin hat die Frau ja selbst gewollt, dass zumindest ein (interessierter) Teil der Öffentlichkeit erfährt, was sie drunter so trägt – oder eben auch nicht trägt. Aber trotz ihrer freizügigen Selbstdarstellung war es dem „besorgten“ Bekannten keineswegs gestattet, Unbeteiligte gezielt auf die Nebentätigkeit der Frau aufmerksam zu machen.

Hat sich am Ende doch gelohnt

Weil er auch noch Bilder mitgeschickte hatte, verurteilte ihn das Gericht zu einer Entschädigungszahlung von über 5.000 Euro. Das ist zwar nicht einmal die Hälfte dessen, was die Frau ursprünglich verlangt hatte – aber immerhin: Für diese Summe muss sie jetzt ein paar Nächte lang weniger „eskortieren“.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LG Frankfurt / Main, Urteil vom 30.07.2015 – 2-03 O 455/14

Frau in Dessous

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