Unglücksschiff Costa Concordia: Verurteilter Kapitän bekommt 26.000 Euro zugesprochen

Donnerstag, 02.06.2016 Ingo Lenßen

Wir erinnern uns: Im Januar 2012 war das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der italienischen Insel Giulio gesunken, 32 Menschen verloren dabei ihr Leben. Gestern nun wurde der damalige Kapitän Francesco Schettino bereits in der zweiten Instanz  zu über 16 Jahren Haft verurteilt. Was die wenigsten allerdings wissen: Obwohl das Unglück bereits vor über vier Jahren passierte, befindet sich Schettino vom ersten Tag an auf freiem Fuß und bekam zwischenzeitlich von einem Gericht sogar 26.000 Euro zugesprochen…

Der Kapitän der Unglücksschiffs war damals bereits nach wenigen Tagen Untersuchungshaft aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen worden. Seitdem hat er keinen einzigen Tag mehr im Knast gesessen. Im Februar letzten Jahres hatte ihn dann zwar ein Gericht unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und dem Verlassen des Schiffs verurteilt, doch Schettino legte durch seine Anwälte sofort Berufung gegen das Urteil ein und verhinderte so erfolgreich einen Haftantritt. 

Knast? Noch lange nicht!

Doch wer nun glaubt, der gestrige Schuldspruch in zweiter Instanz wäre nun der zwar unrühmliche, aber immerhin endgültige Schluss in diesem Trauerspiel, der irrt: Zwar bestätigte nun das Berufungsgericht in Florenz das Urteil aus erster Instanz, doch kann es noch Monate dauern, bis das Gericht seine Urteilsbegründung veröffentlicht - und dagegen kann Schettino dann noch einmal Berufung einlegen. Übrigens war er bei der Urteilsverkündung selber gar nicht im Gericht, sondern verfolgte den Schuldspruch von seinem Heimatort bei Neapel aus.

Und Geld gab’s auch noch

Doch Tatenlosigkeit kann man dem feigen Kapitän, der damals behauptete, er sei „aus Versehen ins Rettungsboot gefallen“, absolut nicht vorwerfen: Zwischenzeitlich konnte er sich nämlich erfolgreich vor Gericht gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber durchsetzen: Er bekam 26.000 Euro für seine Anwalts-Honorare erstattet, die ihm laut Arbeitsvertrag für solche Fälle zustehen…

Costa Concordia: Das letzte Opfer ist gefunden

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§§ 212, 13 StGB, § 323c StGB, Codice della navigazione, § 303

Schiffsbergung der Costa Concordia

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