Schnellkurs: Wie beleidige ich meinen Chef?

Donnerstag, 16.07.2015 HH

Am Arbeitsplatz kann es spannungsgeladen zugehen. Da kann man schon mal in der Lästerrunde mit den Kollegen über den Chef „herziehen“. Was aber, wenn dieser davon erfährt und die Kündigung ausspricht?…

Nachdem eine Mitarbeiterin vermeintlich von dem neuen Geschäftsführer ihrer Firma hereingelegt wurde, konnte sie ihre Wut nicht länger zurückhalten: In einem vertraulichen Gespräch mit einer langjährigen Arbeitskollegin bezeichnete sie den Chef erst moderat als „Heini“, steigerte sich dann zu einem „Pisser“ und ging dann in der finalen Beurteilung zu einem „hinterfotzig“ über. Der Inhalt des Gesprächs blieb jedoch nicht unter vier Ohren, sondern wurde ihrem Heini-Chef zugetragen, woraufhin dieser sofort die außerordentliche Kündigung aussprach. 

Beleidigen für Anfänger

Dieser konnte das Amtsgericht Essen aber nicht zustimmen: „Eine Ehrverletzung liege nur dann vor, wenn man damit rechnen könne, dass die Unmutsäußerungen der beleidigten Person auch zugetragen werden…“ , so die Richter.

Beleidigen für Fortgeschrittene

Auch die Bezeichnung als „Arschloch“ oder „Wichser“ berechtigt nicht automatisch zur Kündigung, wie das Landesarbeitsgericht Mainz in einem anderen Fall entschied. „Es komme immer noch auf die Verhältnismäßigkeit und den Einzelfall an.“ Dass dort auch der Arbeitgeber nicht ganz unprovokant gewesen war und der Arbeitnehmer das erste Mal  so auffällig wurde, mag allerdings auch ein Grund gewesen sein, dass die Kündigung nicht gerechtfertigt war.

Beleidigen für Angeber

In einem ähnlichen Fall hatte der Chef sogar durch Aussagen wie „Hau mich doch, trau Dich doch, Ihr seid so hässliche Vögel“ provoziert. Es folgte vom Arbeitnehmer ein geschmeidiges “Ich hau Dich, Du kriegst von mir eine Schönheitsoperation…“. Auch dies war schlußendlich kein Kündigungsgrund, befand das AG Hamm. Zudem ist laut der Gerichte ein Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, ausschließlich positiv über seinen Vorgesetzten zu denken. Aber vielleicht sollte man besser nicht immer alles sagen, was man so denkt…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

ArbG Essen, 2 Ca 3550/12, Urt. vom 27.09.13

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